Diabetische Kinder und Jugendliche in der Schule
(aus einem Runderlass des
Kultusminsters von NRW, 1987, nach Empfehlungen des Ausschusses "Soziales" der
Deutschen Diabetes Gesellschaft. Zusammengestellt von Prof. Dr. P. Petrides und
Prof. Dr. B. Weber)
1. Diabetische Kinder sind
den Anforderungen der Schule ebenso gewachsen wie
andere Kinder. Sie sollten weder besonders nachsichtig
beurteilt noch intellektuell geschont werden. Eine
Sonderstellung in der Klasse ist unbedingt zu
vermeiden.
2. Der Diabetes mellitus
(Zuckerkrankheit) wird mit einer regulären Diät (in
der Regel mit 6 - 7 täglichen Mahlzeiten zu
festgelegten Zeiten) und mit regelmäßigen
Insulin-Injektionen behandelt. Die Insulin-Injektionen
erfolgen meist morgens und abends. Bei älteren Kindern
wird in jüngster Zeit häufiger auch eine intensivierte
Insulinbehandlung mit 4 Injektionen täglich
praktiziert.
3. Insulin und
körperliche Tätigkeit senken den Blutzuckerspiegel,
Nahrungsaufnahme erhöht ihn.
4. Ungenügende oder
verspätete Nahrungsaufnahme oder auch verstärkte
körperliche Aktivitäten (Turnen, Schwimmen,
Wanderungen, intensives Spiel) können zu einer
Unterzuckerung, einem tiefen Absinken des Blutzuckers,
genannt Hypoglykämie, führen. Erste Anzeichen dieser
Unterzuckerung können sein: Schwitzen, Blässe,
Schwäche, Kniezittern, ungewohnte Unaufmerksamkeit und
Zertreutheit, ungewöhnlich krakelige Schrift,
verlangsamte Sprache, "schwere Zunge".
5. Diabetische Kinder
müssen deshalb unbedingt ihre sogenannten
Zwischenmahlzeiten, etwa in den Pausen, zu sich nehmen
und nach Schulschluss rechtzeitig nach Hause entlassen
werden. In Ganztagsschulen und bei Schulausflügen muss
auf die regelmäßige Nahrungsaufnahme zu den vorher
festgelegten Zeiten geachtet werden.
6. Bei erkennbarer
Unterzuckerung sollte das Kind sofort zu rascher
Nahrungsaufnahme (eventuell Würfelzucker,
Traubenzucker-Plättchen, Knäckebrot) aufgefordert
werden, auch im Unterricht. Eventuelle Ablehnung
solcher Maßnahmen durch das Kind oder aggressives
Verhalten können Ausdruck der Unterzuckerung sein und
müssen mit Güte und Bestimmtheit überwunden werden.
Ein Kind sollte niemals in der Hypoglykämie
unbegleitet nach Hause geschickt werden. Eine
unbehandelte Hypoglykämie kann zu schwerem
Bewusstseinsverlust (Schock) und Krampfanfällen
führen.
7. Diabetische Kinder
müssen immer Würfelzucker und andere rasch verwertbare
zuckerhaltige Nahrungsmittel für die Unterbrechung
einer Unterzuckerung sowie einen Diabetiker-Ausweis
bei sich tragen.
8. Diabetische Kinder
können am Sport teilnehmen. Vor außerordentlichen, vor
allem langandauernden körperlichen Anstrengungen
(Schwimmen, Wandern, auch exzessivem Toben in der
großen Pause) müssen diabetische Kinder zusätzliche
Nahrung zur Vermeidung schwerer Hypoglykämien zu sich
nehmen (Brot und andere langsam verwertbare
Kohlenhydrate sind besser als Obst oder Obstsäfte).
Gelegentliche Nachfragen nach vorgesehenen Mahlzeiten
sind wegen häufigen Vergessens beim Spiel sinnvoll.
9. Bei Bewusstlosigkeit
infolge einer Hypoglykämie muss rasch geholfen werden:
Keine flüssige oder feste
Nahrung (Verschlucken!), sondern
- Traubenzucker
zwischen Wange und Zähne, Seitenlagerung (wie nach
Verkehrsunfall)
- Arzt rufen; Diagnose:
Diabetes, Anlass: Hypoglykämie
10. Beobachtungen und
Erkenntnisse des Lehrers, Erfahrungen der Eltern und
das Fachwissen des behandelnden Arztes sind wichtige
Faktoren einer erfolgreichen Therapie. Deshalb ist
eine enge Kooperation des Lehrers mit den Eltern und
dem behandelnden Arzt notwendig. Für den Notfall
sollten den Lehrern und Lehrerinnen die
Fernsprechnummern der Eltern, des Hausarztes und des
nächstgelegenen Krankenhauses bekannt sein
Ansprechend aufbereitete Broschüren für Schule und Kindergarten gibt es bei Novo Nordisk.
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