Wer war Adam Stegerwald?
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Dr. h. c. Adam
Stegerwald
* 14. 12. 1874 in Greußenheim
+ 3. 12. 1945
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Adam Stegerwald ist
die große Gestalt in der Entwicklung der christlichen
Arbeiterbewegung. Er hat unser Jahrhundert als christlicher
Gewerkschaftsführer und Sozialpolitiker mitgeprägt.
Geboren am 14.
Dezember 1874 in
Greußenheim bei Würzburg als Sohn kleiner Landwirte,
wuchs
er in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem
Abschluß
der dörflichen Volksschule erlernte er das Schreinerhandwerk.
1893
trat er in den Kolpingverein ein, der ihm nach eigener Aussage "in
starkem Maße Lebenswegweiser" wurde. Bald schon war er
politisch
für die Zentrumspartei und gewerkschaftlich im
Münchner
Verein "Arbeiterschutz" tätig. Seine Vorzüge,
Tatkraft,
Verantwortungsfreudigkeit und Organisationsgabe, ebneten ihm rasch den
Aufstieg. 1899 übernahm er den Vorsitz des "Zentralverbandes
Christlicher Holzarbeiter" und 1902 wurde er zum
Generalsekretär
der Christlichen Gewerkschaften gewählt.
So wurde Stegerwald
in kurzer Zeit
zu einem der profiliertesten Arbeiterführer im Kaiserreich.
Seit
1903 führte er die Geschäfte des "Deutschen
Arbeiterkongresses", eines Zusammenschlusses von christlichen
Gewerkschaften. Ab 1908 amtierte er auch noch als Sekretär der
Internationalen Konferenz der Christlichen Gewerkschaften.
Im Ersten Weltkrieg
begann Stegerwald seinen politischen Aufstieg, der ihn 1917 zum ersten
Arbeitervertreter im preußischen Herrenhaus werden
ließ. Ihm gelang es, über den Zusammenbruch des
Kaiserreiches hinweg die gewerkschaftliche und parteipolitische
Kontinuität zu wahren. Am 20. November 1918 übernahm
er den Vorsitz des "Deutsch-Demokratischen Gewerkschaftsbundes", ab
1919 "Deutscher Gewerkschaftsbund" (DGB), des Zusammenschlusses aller
nichtsozialistischen Gewerkschaften.
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In der
Folgezeit kam
Stegerwald in hohe politische Ämter: 1919 bis 1921
preußischer Wohlfahrtsminister, 1921 preußischer
Ministerpräsident, 1923 Nominierung zum Reichskanzler, was er
aber
ablehnte. 1929 bis 1930 war er Reichsverkehrs-, 1930 bis 1932
Reichsarbeitsminister. Seine Grenzen mußte er erkennen, als
er
bei der Wahl zum Vorsitzenden der Zentrumspartei scheiterte.
Die politische
Sternstunde
Stegerwalds bildete seine Rede vom 21. November 1920 auf dem
Kongreß der christlichen Gewerkschaften in Essen. Klar
erkannte
er die Wurzel des Übels, das das Parteienwesen in der Weimarer
Republik lähmte: seine konfessionelle und politische
Zersplitterung. Auch seine eigene Partei, das Zentrum, sah er, da es
konfessionell gebunden war, als zu eng an. Deswegen vertrat er vehement
die Notwendigkeit, eine neue Partei zu gründen, eine
antisozialistische und überkonfessionelle Sammlung
durchzuführen. Seine Losung lautete: "Deutsch, christlich,
demokratisch, sozial". Diese Partei sollte eng mit der chnstlichen
Arbeiterbewegung zusammenarbeiten, für die das Wort
"christlich"
nicht nur ein äußeres Merkmal, sondern "eine solche
der
Wirklichkeit und der Tat" sein sollte. Die Essener Rede stellt somit
die eigentliche Geburtsstunde der christlich-sozialen Idee dar.
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Nach der
Machtübernahme
Hitlers wurde Stegerwald, der ein konsequenter Gegner des
Nationalsozialismus war, wie alle nicht-nationalsozialistischen
Politiker "kaltgestellt" und lebte als Privatmann in Berlin. Als er
1943 ausgebombt wurde, kehrte er in seinen Heimatort
Greußenheim
zurück, wurde am 24. August 1944 von der Gestapo verhaftet,
acht
Wochen später aber wieder freigelassen.
Am 11. Mai 1945
ernannte ihn die
amerikanische Militärregierung zum ersten
Regierungspräsidenten von Unterfranken nach dem Krieg.
Stegerwald
blühte noch einmal auf, denn er sah die Chance, seine Idee von
der
Sammlung auf gewerkschaftlichem und politischem Gebiet zu
verwirklichen. Er knüpfte an seine Essener Rede an und entwarf
das
Programm für eine neue christliche Partei auf
überkonfessioneller Grundlage, das am 13. August 1945
für
Würzburg Stadt und Land verkündet wurde. Diese Partei
war die
CSU. Mit ihr wollte er "auf der sittlichen und geistigen Grundlage des
Christentums eine neue demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung
aufbauen" und auf eine "grundlegende europäische Neuordnung
hinsteuern". So erfüllte sich noch sein Lebenswunsch, der
große parteiliche Zusammenschluß der Christen in
einer
Volkspartei, bevor er am 3. Dezember 1945 überraschend an
einer
Lungenentzündung starb.
In Aufstieg und
Leistung des
Arbeiterführers Adam Stegerwald spiegeln sich jene
politischen,
gesellschaftlichen und sozialen Wandlungen wider, die zur
Mündigkeit und zum Standesbewußtsein der
christlichen
Arbeiterschaft geführt haben wie zur Anerkennung des hohen
Stellenwertes der Sozialpolitik. "Politik ist kein Reich für
Ideen
und ideologische Auseinandersetzungen, sondern ein Kampffeld des
praktischen Handelns und der Aktivität aus den Erkenntnissen".
Das
war seine Losung und das ist sein Erbe
Thomas Josef
Möhler
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