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Städtisches Gewerbliches BBZ I Würzburg

Jahresbericht 1995 / 96


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Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 1995 /96


Fachbetreuung Deutsch




Deutsch und Kombjuder


Bereits die Überschrift soll verdeutlichen, welche Meinung zu diesem Thema heute häufig vorherrscht: Verschlechterung der ohnehin nicht zufriedenstellenden Rechtschreibfähigkeiten, kulturelle Verarmung durch zu intensive "Arbeit" mit dem (Spiel-)Computer, Rückgang der Kreativität durch Maschinenarbeit usw.

Dies trifft sicherlich teilweise zu, doch auch diese Medaille hat eine Kehrseite. Textarbeit mit oder am Computer stellt eine Möglichkeit dar, auch schwachen Schülern die Chance zu geben, Texte des täglichen Lebens in anspruchsvoller Form zu erstellen. Dazu gehört neben der Zusammenstellung von Bewerbungsunterlagen die Verwendung von Rechtschreibprogrammen oder der Einsatz von standardisierten Vorlagen für Protokolle. Hier werden Fehler vermieden, die zu einer folgenschweren Fehleinschätzung z.B. eines Bewerbers führen können. Kann jemand nicht Installateur werden, weil seine Bewerbung von Rechtschreibfehlern wimmelt? Bis jetzt ist dies ein wichtiges Auswahlkriterium bei großer Bewerberzahl in manchen Firmen. Die Interpretation seitens der Personalchefs ist jedoch nicht auf die vielleicht wenig berufsrelevante Rechtschreibschwäche gerichtet, sondern darauf, daß der Bewerber keinen Wert darauf gelegt hat, ein ansprechendes Schriftstück anzufertigen: Wer sich bei der Erstellung der wichtigen Bewerbungsunterlagen keine Mühe gibt, wird sich auch keine Mühe bei der Arbeit geben oder nicht die notwendige Sorgfalt walten lassen.

Also: Was spricht jetzt gegen die Verwendung von vorgefertigter Software?

Der Bewerber bemüht sich, setzt zur Verfügung stehende Hilfsmittel sinnvoll ein, macht sich in einem ihm sonst nicht vertrauten Gebiet "schlau".

All dies sind Tugenden, die der moderne Arbeitsmarkt fordert. Nebenbei wird das Rechtschreibprogramm dem Anwender sogar die Auswahl zwischen verschiedenen Alternativen der Schreibung aufzeigen oder aus einem Synonymwörterbuch andere Formulierungen vorschlagen; dabei wird die Rechtschreibung verbessert und der aktive Wortschatz erweitert! Die Verwendung fertiger Werkzeuge wie z.B. Musterbriefe, Behördenbriefe, Reklamationen, usw. ist eine Fähigkeit, die die Arbeitswelt vom Mitarbeiter in der Zukunft verstärkt fordern wird; Standardtätigkeiten müssen mit Standardsoftware erledigt werden können: Schnell, sauber, sicher.

Bei der Umsetzung dieser Ideen stößt der Deutschunterricht in der Berufsschule auf technische Grenzen. Das Fach Datenverarbeitung ist meist Bestandteil des Fachtheorieunterrichts der 10. Jahrgangsstufen. Diese Klassen belegen dann die zur Verfügung stehenden Räume. Nur in seltenen Fällen ist es möglich, z.B. mit einer 12. Klasse - dort werden die Bewerbung oder der Geschäftsbrief lehrplanmäßig gefordert - Deutschunterricht im Computerraum zu erteilen. Eine gute Lösung wäre in diesem Zusammenhang der "Integrierte Fachraum", wie er im Rahmen des Fächerübergreifenden Unterrichts schon lange gefordert wird.

Es gibt viel zu tun - packen wir´s an!


Jürgen Götz





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geändert am 06. Dezember 1996 durch U. Tutschku