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Städtisches Gewerbliches BBZ I Würzburg

Jahresbericht 1995 / 96


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Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 1995 /96


Fachgruppe Sanitär- und Heizungstechnik




Polizeiaktion im Fachbereich 5.4


Mehrere Schüler mit "frisierten" Zweirädern erwischt

So oder ähnlich könnte eine bekannte Boulevardzeitung den Besuch von Herrn Polizeihauptmeister Erwin Kopp am 26.März 1996 in unserem Fachbereich zusammenfassen. Im Grunde wäre es ja nicht gelogen, doch zunächst die Vorgeschichte.

Auf Initiative Herrn StD Spechts luden wir Herrn Kopp pünktlich zum Frühjahrsbeginn und damit zum Beginn der Zweiradsaison zu einem Unterrichtsbesuch ein. Herr Kopp ist nicht nur im Fachbereich kein Unbekannter, er war bereits mehrmals zu Besuch und hatte die Schüler stets aufs neue begeistert. Den eingefleischten Zweiradfahrern ist Herr Kopp durchaus durch seine Informations- und auch durch seine Kontrollaktionen bekannt, in denen er bemüht ist, die Sicherheit rund um das Zweirad zu gewährleisten.

Nach mehrjähriger Pause konnten wir Herrn Kopp wieder einmal begrüßen, diesmal in der Klasse INST 10.

Der Besuch war eingebettet in den Themenbereich "Verkehr", einer projektähnlich organisierten Verknüpfung mehrerer Unterrichtseinheiten mit Schwerpunkt im Fach Deutsch und Anknüpfungspunkten zu Fachtheorie. Vorausgegangen waren zunächst scheinbar willkürliche und spielerische Beschäftigungen mit Problemen um den Begriff Verkehr. Als Beispiel möchte ich die Behandlung des Hörspiels "Fahrerflucht" von Alfred Andersch nennen. Es geht um den Tod einer jungen Fahrradfahrerin, die infolge eines Verkehrsunfalls stirbt, in dessen Verlauf der Unfallverursacher Fahrerflucht begeht. Das Hörspiel zeigt nicht direkt das Unfallgeschehen auf, sondern erzählt aus der Perspektive dreier Personen die Hintergründe dieses Ereignisses: aus der Sicht eines Tankwartes (der sich durch Bestechung mitschuldig macht), eines Managers (des Unfallverursachers) und einer jungen Verkäuferin (des Opfers). Alfred andersch gelingt es durch den strikten Perspektivenwechsel, daß die Schüler als Zuhörer dem inneren Monolog der Personen gut folgen und sich in die Situation und die Gedankengänge der Personen gut hineinversetzen können.

Die Darbietung des Hörspiels erfolgte in mehreren Teilen, wobei die beabsichtigte Phantasiereise im Brechtschen Sinne stets durch Zurechtrücken der Unklarheiten und Kommentierung der Handlung vom Lehrer kurz unterbrochen wurde. Der Schwerpunkt des Stückes liegt auf der Frage nach der Schuld am Tode des jungen Mädchens. Die akustische Umsetzung des Stoffes als Hörspiel ermöglicht es dem Schüler, sich ohne Leseschwierigkeiten mit der Thematik zu beschäftigen, andererseits bleibt genügend Spielraum für eigene gedankliche Umsetzung (die sog. Innere Bühne).

"Fahrerflucht" führte uns mitten hinein in die argumentaive Beurteilung der dargestellten Situation und der Personen. Die Schüler sollten persönlich Stellung nehmen und über ein mögliches Verhalten in ähnlicher Situation reflektieren, In einer Fortführung wäre etwa das Rollenspiel der nachfolgenden Gerichtsverhandlung denkbar. Der Aspekt der Werteerziehung sei hier besonders hervorgehoben. Zunächst kann der Schüler aus mehreren verfügbaren Wertvorstellungen seine Werthaltung frei auswählen und diese in einem weiteren Schritt hochschätzen und verinnerlichen. Damit ist in einem vom Lehrer lenkbaren Prozeß die Basis dafür geschaffen, daß der Schüler diese Wertvorstellungen weiterentwickeln und im entscheidenden Falle auch danach handeln kann.

Herr Kopp war am 26. März mit einer Klasse konfrontiert, die bereits für Fragen um das Zweirad sensibilisiert war. Zu Beginn seiner Erläuterungen startete Herr Kopp zunächst einen kurzen Rundumschlag über Fragen zum Führerscheinrecht. Sehr schnell stellte er seine Kompetenz und seine außergewöhnliche Fähigkeit unter Beweis, in einer schülerverständlichen und sehr anschaulichen Art auf die Fragen und Bedürfnisse Jugendlicher einzugehen. Die Schüler faßten Vertrauen und sahen in ihm den Polizisten als Freund und Helfer. So ist es nicht verwunderlich, daß nach recht kurzer Zeit klar wurde, daß ein Schüler ohne Betriebserlaubnis Mofa fährt (kein Luftfilter am Mofa) und ein weiterer Schüler keinen ausreichenden Führerschein für sein Gefährt besitzt (die Maschine wurde nicht auf 80 km/h gedrosselt). In einem zunächst theoretischen Teil wurden technische Details erläutert, die sowohl zum "Frisieren" als auch zur Löschung der Betriebserlaubnis geeignet sind. Interessant waren auch die Art der Schülerfragen, beispielsweise "Muß ich eigentlich jeden Tag an meiner Maschine nachschauen, ob wirklich noch alle Teile am Auspuff dran sind?". Der Insider kann hier bereits auf eine fehlende "Flöte" schließen, was neben einer geringen Leistungssteigerung den Verlust des Versicherungsschutzes und somit schwerwiegende Folgen nach sich zieht.

Im Anschluß folgte eine technische Begutachtung der auf dem Schulgelande abgestellten Zweiräder, wobei gleich hervorgehoben werden kann, daß keines der begutachteten Fahrzeuge schwerwiegende äußere Mängel aufwies. Vielmehr war es auch für einen geübten Hasen wie Herrn PHM Kopp schwierig, auf Anhieb kleinere Mängel nachzuweisen. Dies zeugt immerhin von einem recht hohen Sicherheitsbewußtsein unserer Schüler, wenngleich nicht verschwiegen werden darf, daß infolge des Regenwetters kaum Anschauungsobjekte zur Verfügung standen. Insgesamt war der Besuch von Herrn Kopp eine außergewöhnliche Bereicherung, gerade für Schüler der 10. Jahrgangstufe erscheint mir die Thematik und die altersgerechte Darstellung sehr wirkungsvoll.

Abschließend möchte ich noch kurz auf den kreativen Abschluß des Themas "Verkehr" hinweisen. Nachdem in der Klasse Inst 10 das Bewußtsein für Sicherheit im Straßenverkehr geschärft war, wollte ich den Schülern die Möglichkeit geben, ihre individuellen Einstellungen plakativ auszudrücken. Nach einer vorgegebenen Handlungsregulation erstellten die Schüler mit großem Eifer kreativ und eigenständig Plakate, die für Sicherheit im Straßenverkehr werben. Neben der thematischen und graphischen Umsetzung erfreuten auch die sprachspielerischen Erfolge der Werbeslogans.

Die Vielfältigkeit und Qualität der Ergebnisse lassen mir Mut fassen, ähnliche Aktionen möglichst oft mit in den Unterricht einfließen zu lassen und so in kleinen Schritten einen Beitrag zur Arbeit an der Methodenkompetenz und dem Wertebewußtsein unserer Berufsschüler zu leisten.


StRef Ralf Geisler




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geändert am 06. Dezember 1996 durch U. Tutschku