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Städtisches Gewerbliches BBZ I Würzburg

Jahresbericht 1995 / 96


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Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 1995 /96


Fachgruppe Sonderberufe




Themen:

Abschlußfeier bei den Uhrmachern

Unsere Gold- und Silberschmiede auf Erfolgskurs





Abschlußfeier bei den Uhrmachern


Am 16. September, gleich zu Beginn des Schuljahres 1995/96, fand eine gemeinsame Abschlußfeier der frischgebackenen Gesellinnen und Gesellen im Uhrmacherhandwerk mit den Obermeistern und dem Prüfungsausschuß statt, zu der Herr OStR Sauerwein Gäste aus ganz Bayern eingeladen hatte. 27 Lehrlinge hatten in den drei Jahren zuvor unsere Schule im Blockunterricht besucht und sich im Sommer 1995 der sehr anspruchsvollen Abschlußprüfung unterzogen.

Bei dieser Feier im Mensagebäude der Franz-Oberthür-Schule - Bayerns Sprengelschule für Uhrmacher - kam deutlich zum Ausdruck, daß das Uhrmacherhandwerk Nachwuchssorgen hat.

In seinem Festvortrag sagte OStR Ewald Bayer, der die jungen Leute an der Franz-Oberthür-Schule betreut hatte: "Es besteht ein deutliches Mißverhältnis zwischen der Anzahl an benötigten Fachkräften und den Ausbildungszahlen im Uhrmacherhandwerk. Derzeit suchen die Firmen fertigausgebildete Fachkräfte wie die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen. Die Ursache hierfür ist, daß die Zahl der ausbildungswilligen Betriebe in den letzten Jahren sehr stark abgenommen hat."

Bayer nannte folgende Gründe für diese negative Entwicklung:

· Viele Uhrmacherbetriebe sind im Gegensatz zu früher wegen der hohen Ausbildungskosten nicht mehr dazu bereit, auszubilden.

· In manchen Werkstätten fehlen die aufwendigen Maschinen, Spezialwerkzeuge und Meßgeräte, welche für eine zeitgemäße Ausbildung dringend notwendig wären.

· Der Ausbilder kann oft nicht die Zeit zu gründlicher Unterweisung des Lehrlings aufbringen, weil er zu stark in anderen betrieblichen Bereichen - z.B. im Verkauf - eingebunden ist.

· Etliche Meister scheuen das Risiko einer dreijährigen vertraglichen Bindung an einen Lehrling.

· Andere Meister bilden nicht aus, weil sie sich durch die rasante Entwicklung auf dem Sektor der elektronischen Uhren, den Anforderungen einer modernen Ausbildung nicht mehr gewachsen fühlen.

· Viele Betriebe sind der Meinung, der junge Mensch werde nach seiner Gesellenprüfung sowieso den Betrieb wechseln, man bilde doch nicht für die Konkurrenz aus.

Bayer empfahl, durch die Einführung einer Vollzeitbeschulung im ersten Lehrjahr für die Betriebe einen Anreiz zu schaffen, wieder verstärkt auszubilden. Die Betriebe könnten die jungen Leute dann nach einjähriger schulischer Vorbildung als bereits fachlich versierte Kräfte übernehmen, welche zu Beginn der betrieblichen Ausbildungsphase vielfach schon produktiv eingesetzt werden könnten.

Die Einführung einer einjährigen Berufsfachschule habe - so Bayer - den unschätzbaren Vorteil, daß die Betriebe von der äußerst zeitaufwendigen Vermittlung von Grundfertigkeiten entlastet würden; diese übernähme neben der Vermittlung von Grundkenntnissen dann die Berufsschule.

Unter anderem stehen im schulischen Vollzeitjahr folgende praktische Tätigkeiten im Mittelpunkt:

1. Die ständig anfallenden Servicearbeiten, wie Batterieersatz an Groß- und Kleinuhren, der Armbandwechsel, das Ersetzen von Gläsern und Kronen;

2. Fehlerdiagnose für Groß- und Kleinuhren durch Prüfen und Messen;

3. die gesamte Instandsetzung von mechanischen Großuhren, dazu gehört z.B. das Zerlegen, die Reinigung, die Oberflächenbehandlung, das Ersetzen von Lagern, das Überprüfen und Neusetzen von Eingriffen, das Einstellen von Schlagwerken und das Aufarbeiten der Gehäuse;

4. die komplette Fertigungstechnik vom Anreißen über die Zerspanungstechniken bis zur Wärmebehandlung der Stähle.

Als weitere Vorteile des schulischen Vollzeitjahres nannte der Referent:

· Eine geringere Anzahl der Blockwochen als bisher im zweiten und dritten Ausbildungsjahr.

· Die Tatsache, daß die Betriebe ihren künftigen Lehrling bereits zu Beginn des schulischen Jahres innerhalb der Probezeit kennenlernen. Hierzu ist ein vierwöchiges Betriebspraktikum vorgesehen.

· Die entsprechende Rechtsgrundlage für diese Ausbildungsform besteht schon; die einjährige Berufsfachschule könnte also unverzüglich eingeführt werden.

· An der Franz-Oberthür-Schule sind genügend Lehrkräfte vorhanden, neue müßten nicht eigens eingestellt werden.

· An der Schule wären kaum zusätzliche Investitionen notwendig. Die vorhandenen Maschinen und Geräte in der schon bestehenden Lehrwerkstatt würden besser ausgelastet als bisher.

· Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Schüler werden überwiegend vom Freistaat Bayern und von der Stadt Würzburg getragen, fallen den Betrieben also nicht zur Last.

· Die international anerkannte Form der dualen Ausbildung bliebe gewahrt.

Diese auf der Hand liegenden Vorteile werden auch in weiten Kreisen der bayerischen Innungsmitglieder akzeptiert. Deshalb sollte der bayerische Landesinnungsverband einem bereits zur Diskussion stehenden Antrag an das Kultusministerium zustimmen, damit die Sache schnellstmöglich ins Rollen kommt.

Würde die Innung in dieser Angelegenheit weiterhin zaudern, so könnte dies fatale Folgen nach sich ziehen, meinte Bayer. Unübersehbar sei die Gefahr, daß die Betriebe mangels Fachkräften ihre Aufgaben nicht mehr zu erfüllen vermögen und daß ihnen deshalb die Filialisten das Wasser abgraben.

Im übrigen müsse der Uhrmacherberuf in der Öffentlichkeit besser dargestellt werden, sagte der Referent. Darüber hinaus empfahl er einen finanziellen Ausgleich für ausbildungswillige und verantwortungsbewußte Betriebe. Auch sollten die Löhne der Uhrmacher künftig attraktiver gestaltet werden.

ZV-Präsident Horst Valentin

ZV-Präsident Horst Valentin (links) gratulierte zu den hervorragenden Ausbildungsergebnissen. Daneben Schulleiter Hermann Sauerwein, Ewald Bayer und Uhrmachermeister Joachim Heilmann.


Glückwünsche an die durchwegs erfolgreichen Prüflinge richteten der Präsident des deutschen Zentralverbandes für Uhren, Schmuck und Zeitmeßtechnik Horst Valentin, der Leiter der Franz-Oberthür-Schule Oberstudiendirektor Hermann Sauerwein sowie Otto Asam, der Landesvorsitzende des bayerischen Fachverbandes. Josef Benz, der Vorsitzende des Gesellenprüfungsauschusses, gab die Prüfungszeugnisse aus und überreichte dem Prüfungsbesten, Stefan Gruhle aus Weiden, eine Armbanduhr, welche von der schweizer Firma Eta gestiftet worden war. Als Vertreter der Prüflinge sagte Michael Eberlein in seiner mit originellen Pointen gespickten Rede: "Die drei Jahre in Würzburg waren für uns alle ein großer Gewinn. Die Absolventen haben sich an der Franz-Oberthür-Schule jederzeit geborgen gefühlt."

August Mayer





Unsere Gold- und Silberschmiede auf Erfolgskurs


Beim Leistungswettbewerb der Handwerksjugend 1995 wurde unsere Schülerin Eva Itzel aus Werneck mit ihrer überzeugenden Arbeit, einem zerlegbaren Ohrschmuck 1. Bundessieger im Goldschmiedehandwerk. Auch Michael Friedrich aus Münsterschwarzach (gleiche Klasse) konnte die Prüfer mit seiner aus Silber getriebenen Wasserpfeife überzeugen. Er wurde 2. Bundessieger im Silbersschmiedehandwerk.

Ohrschmuck

1. Bundessiegerin: Eva Itzel

Ohrschmuck in Weiß- und Gelbgold mit austauchbarer Acrylplatte.


Im Frühjahr 1996 initiierte der Landesinnungsverband der Gold- und Silberschmiede einen Leistungswettbewerb für die Handwerksjugend in Bayern. Es sollte ein Schmuckobjekt aus einem oder mehreren Teilen entworfen und gefertigt werden. Als Arbeitsmaterial waren Edelmetall, Nichtedelmetalle, Farbsteine, Holz, Schiefer, Kautschuk, Acryl usw. zugelassen.

Von den 46 eingereichten Arbeiten in diesem Ideenwettstreit konnten auch dieses Jahr wieder Schüler unserer Schule mehrere Preise gewinnen:

So gingen gleich der 1., 2. und 3. Preis der 11. Klassen sowie auch eine Belobigung an unsere Schüler.

Für Auszubildende der 12. Klasse gab es einen Sonderpreis und eine Belobigung.


Rainer Schmid

Fachlehrer





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geändert am 06. Dezember 1996 durch U. Tutschku