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Städtisches Gewerbliches BBZ I Würzburg

Jahresbericht 1995 / 96


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Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 1995 /96


Fachgruppe Bekleidung und Friseure




Themen:

Chemie in Textilien

Nachwuchs groß in Form

Erfolgreiche Teilnahme unserer Auszubildenden an den Unterfänkischen Meisterschaften der Friseure




Chemie in Textilien

- ein Thema, das heute im Verbraucherschutz eine große Rolle spielt, aber im Lehrplan der Bekleidungsklassen noch nicht vertreten ist.

Es kann im Berufsgrundschuljahr in Fachtheorie in der Rohstofflehre durchgängig behandelt werden, sowohl bei den Naturfasern wie den Chemiefasern. In der Jahrgangsstufe 11 muß es beim Lernziel "Veredlung von textilen Rohstoffen" eingebaut werden. Um das Interesse der Schüler zu wecken, ist es besser, das Thema in ein fachkundliches Lernziel zu integrieren.

Ist unsere Kleidung noch gesund?

Fachleute warnen schon seit langem vor Gefahren durch Chemikalien in Bekleidungsartikeln, und umweltbewußte Kunden informieren sich heute sehr genau über den Stoff, aus dem die Mode ist. Schneiderinnen müssen informiert sein, damit sie kompetente Auskünfte geben können. Das Deutsche Modeinstitut München hat bereits 1994 die Dipl.Chem. J. Ziegler von der Umweltschutzabteilung des Landesverbandes des bayerischen Einzelhandels zu einem Vortrag eingeladen, die wissenswerte Tips zur Kundenberatung gab.

Ist unsere Kleidung noch gesund? Um diese Frage beantworten zu können, müssen als erstes die Fasern, dann die Farbstoffe und zum Schluß die Veredlung (Ausrüstung) betrachtet werden.

Die Fasern lassen sich in Natur- und Chemiefasern, wie im Lehrplan vorgesehen, einteilen. Bei den Naturfasern Baumwolle und Schafwolle ist immer wieder der Pestizidgehalt in Verruf geraten. Pestizide werden benötigt, um die Monokulturen und Massentierhaltung zu ermöglichen. Baumwollkulturen verbrauchen weltweit einen großen Teil des gesamten Pestizid-Einsatzes. Lediglich 0,1 % der Weltbaumwollproduktion werden bisher nach den Kriterien des ökologischen Landbaus angebaut. Den Schülern muß bewußt werden, daß ein umweltgerecht hergestelltes T-Shirt nicht für 10,00 DM zu haben ist. Billige Wegwerf-Textilien sind nur möglich, weil dafür Menschen und Umwelt in Drittwelt- und Schwellenländern ausgebeutet werden. Die heute benötigten Mengen an Schafwolle können ebenso nur mit Hilfe von Pestiziden (DDT, Lindan) produziert werden. Dabei ist wichtig zu wissen, daß sich Pestizide bis zu 90 % im Wollfett (Lanolin) anreichern und nur ca. 10 % auf der Faser bleiben. Bei der Weiterverarbeitung der Wolle nach der Schur geht der größte Teil des Wollfettes verloren, nur knapp 1 % des Fettes bleibt in der Faser. Bei herkömmlichen Textilien ist kaum mit einer Pestizidbelastung zu rechnen. Anders ist es bei den sog. Ökotextilien, denn dort wird oft das meiste Wollfett erhalten. Hier muß also auf Kennzeichnung über umweltgerechte Schafzucht geachtet werden.

Es geht nicht ohne Chemie

Bei den Chemiefasern geht es nicht ohne Chemie. Sie werden in Regeneratfasern (natürlichen Ursprungs, Cellulosefasern) und in Synthesefasern (aus Erdöl und Folgeprodukten) unterteilt. Die Cellulosefasern Viskose und Modal werden aus Hölzern hergestellt. Bei den Cuprofasern werden Baumwollabfälle mit Kupferoxid und Ammoniak umgesetzt. dieses Verfahren wird in Deutschland aus Umweltschutzgründen nicht mehr angewandt. Die Fasern und daraus hergestellte Bekleidungsartikel gibt es aber zu kaufen. Bei der Acetatherstellung werden Baumwollabfälle mit Essigsäure und Aceton zu einer völlig neuen Verbindung umgesetzt. Acetat läßt die UV-Strahlen durch.

Alle Synthesefasern können nicht bei 90° gewaschen werden. Bei verhältnismäßig hohen Temperaturen erweichen sie und schmelzen schließlich. Sie laden sich elektrostatisch auf, was sich oft als Knistern beim Ausziehen bemerkbar macht. Sie ziehen gerne den Staub an und müssen verpackt werden, um im Regal noch sauber auszusehen. Sie nehmen kaum Feuchtigkeit auf. Bei Polyamiden, Hauptvertreter Perlon und Nylon, bleiben oft Waschmittelreste hängen, die dann den idealen Nährboden für Bakterien und Pilze liefern. Daß aus dem krebserregenden Vinylchlorid gewonnene Polyvinylchlorid wird schon bei 78° weich, außerdem entsteht beim Verbrennen ein Gas, das selbst Flammen erstickt und dadurch Probleme bei der Abfallbeseitigung ergibt.

Mutagene Farbstoffe?

Die Farbstoffe können nach ihrer Art, wie sie auf den Fasern haften und nach ihrer chemischen Struktur unterschieden werden:

-Beizenfarbstoffe: Naturfasern werden mit Metallsalzen vorgebeizt.

-Küpenfarbstoffe: Mit Chemikalien wird der unlösliche Farbstoff in eine lösliche Form überführt. Säurefarbstoffe oder basische Farbstoffe haben eine Säure- oder Basengruppe und Dispersionsfarbstoffe haften nur schwach auf der Faser und sind oftmals Allergene.

Das Freiburger Hydrotox Labor hat im Auftrag verschiedener Warenhäuser und Händler gefärbte Seidenstoffe untersucht und kam zu dem Ergebnis, daß besonders dunkle, also schwarze und dunkelblaue Seiden und glänzende Seidenstoffe (Satin) besondere Risiken für die Gesundheit bergen können. Etwa ein Fünftel der untersuchten Kleidungsstücke enthielt Substanzen, die im Verdacht stehen, mutagen zu sein, also das Erbgut verändern zu können. Unbedenklich blieben nur ungefärbte Stoffe. Aber bei Unterwäsche beträgt der Anteil an schwarzer Ware bis zu 40%.

Auch viele Veredlungsverfahren sind in die Schlagzeilen geraten. Vor allem wird die Verwendung von Formaldehydharzen kritisiert, die z. B. Baumwolle einlaufsicher und knitterfrei machen. Beim Tragen löst sich aus den Harzen freies Formaldehyd und kann zu Allergien und Vergiftungserscheinungen führen. Die antimikrobielle Ausrüstung dient zur Abwehr von Haut- und Fußpilzen und Körpergeruch. Alle Fasern können mit diesen hochgiftigen Chemikalien ausgerüstet sein, besonders betroffen sind Chemiefasern, da sie nicht gekocht werden können. Oft werden Socken, Unterwäsche und Strümpfe so behandelt, da sie am ehesten Pilze beherbergen. Wollartikel filzen. Damit sie in der Waschmaschine gewaschen werden können, werden die Schuppen abgeflacht oder mit Kunstharzen umhüllt. Gegen tierische Schädlinge, z. B. Mottenfraß schon im Wollager oder beim Schiffstransport, wird die Wolle mit Chemikalien behandelt, die das Wolleiweiß unverdaulich machen.

Bei allen Ausrüstungsverfahren kann mit den Schülern Vor- und Nachteil abgewogen werden. Ganz ohne Chemie geht es nicht, doch einiges ist überflüssig.

Hinweise für den Verbraucher

Da es bis jetzt keine Kennzeichnungspflicht für Inhaltsstoffe in Textilien gibt - das Textilkennzeichnungsgesetz (Teil des Lehrplanes) schreibt nur die Angaben von Rohstoffen vor -, sind eine Reihe von Initiativen entstanden, die eine freiwillige Selbstbindung an bestimmte Grenzwerte und Kriterien vorsehen. Hier muß mit den Schülern unterschieden werden, zwischen Label, die sich Unternehmer selbst geben, wie z. B. "Green Cotton" einer dänischen Textilgruppe, und Label, die von unabhängigen Prüfinstituten vorgegeben werden, z. B. "Textiles Vertrauen" (Schadstoffgeprüft nach Öko-Tex Standard 100) oder "M.S.T." (Markenzeichen schadstoffgeprüfter Textilien) vom Forschungsinstitut Hohenstein und vom Verein für verbraucher- und umweltfreundliche Textilien.

Welche Hinweise können wir als Bekleidungshersteller unseren Kunden geben?

- Lesen Sie Etiketten genau, sie geben Auskunft über die Belastung.

- Nerven Sie die Händler. Fragen Sie nach Stoffen, die bedenkenlos anzuziehen sind und ev. nach Prüfetiketten.

- Wenn ein Kleidungsstück Allergien auslöst, werfen Sie es nicht weg. Melden Sie den Fall den Gesundheitsbehörden. Seit 1990 muß jeder Arzt solche Fälle dem BGA melden.

- Neue Textilien sollen vor dem Anziehen mehrmals gewaschen werden.

- Verzichten Sie auf Textilien mit problematischer Ausrüstung.

- Tragen Sie möglichst Kleidung, die nicht chemisch gereinigt werden muß, sondern gewa schen werden kann.


Christa Zierhut






Nachwuchs groß in Form

Noch nie seit Bestehen der Innung des Maßbekleidungshandwerks Unterfranken hat man in der Aus- und Fortbildung so großartige Erfolge erzielt wie 1995. Dies betonte Obermeister Richard Stangl bei der letzten Innungsversammlung.

Bundessieger beim Wettbewerb "Die Gute Form" im Herrenschneiderhandwerk wurde Peter Sturm, Berufsschule Würzburg, aus dem Ausbildungsbetrieb Richard Stangl. Claudia Schulz, ebenfalls Würzburg, Ausbildungsbetrieb Schulz, gewann den 1. Preis beim Landesverbandstag in Memmingen. Beate Schober legte die beste Meisterprüfung der Damenschneiderinnen in Würzburg ab und erhielt den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung.

Gruppenfoto

Von Links nach rechts: Peter Sturm, Quahbia Ayadi, Beate Schober, Claudia Schulz, Obermeister Richard Stangl.


Bestärkt durch diese hervorragenden Leistungen konnte Obermeister Stangl den ansässigen Betrieben weiterhin Aufträge und wirtschaftliche Stabilität voraussagen, trotzt der Verlagerung der industriellen Produktion in Billigländer. Erfahrung und Können, dazu Kreativität und höchste Qualität werden dem Handwerk auch weiterhin die Existenz sichern, sagte der Obermeister.


Christa Zierhut






Erfolgreiche Teilnahme unserer Auszubildenden an den Unterfränkischen Meisterschaften der Friseure

Am 17. März 1996 wurden in Veitshöchheim die 40. Unterfränkischen Meisterschaften der Friseure ausgetragen. Die Wettbewerbe wurden in drei Bereiche aufgeteilt.

Die Lehrlinge, die Junioren und die Meister (A-Klasse) kämpften mit handwerklichen und künstlerischem Geschick gegen ihre jeweiligen Konkurrenten. Von der Franz-Oberthür-Schule nahmen insgesamt 10 Schüler im Rahmen der Lehrlingswettbewerbe teil.

Im Damen- und Herrenfach wurde der Wettbewerb in die drei Ausbildungsjahre aufgeteilt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1. Ausbildungsjahres hatten die Aufgabe, im Damen- bzw. Herrenfach eine modische Fönfrisur nach Modeempfehlungen Herbst/Winter 95/96 oder Frühjahr/Sommer 96 zu erstellen.

Noch anspruchsvoller wurde die Aufgabe für die Auszubildenden des 2. und 3. Lehrjahres. Sie sollten einen Haarschnitt mit Fönfrisur anfertigen, wobei sie, um die Sache noch schwieriger zu gestalten, vor Beginn des Wettbewerbes an zwei ausgelosten Stellen jeweils 2 cm des Haares abschneiden mußten.

Der 3. Bereich des Wettbewerbes für Lehrlinge war der kosmetische Teil. Hier nahmen alle unsere Auszubildenden des 1. bis 3. Ausbildungsjahres teil. Ihre Aufgabe war hier die Erstellung eines typgerechten Tages-Make-ups

Nach Abschluß der Wettbewerbe wurden unsere Teilnehmer für die vorausgegangenen Plagen und Mühen dann auch reichlich belohnt. Hervorzuheben seien hierbei Jennifer Strütt, die als erfolgreichste Teilnehmerin der Franz-Oberthür-Schule, mit dem 1. Platz im Damenfach des 2. Lehrjahres und dem 3. Platz im Kosmetikwettbewerb belohnt wurde und Ronny Sarier, der einen ausgezeichneten 3. Platz im Damen- und Herrenfach des 1. Lehrjahres belegte.

Jennifer Strütt

Jenifer Strütt, Wettbewerb Kosmetik, 2. Ausbildungsjahr.


Die Plazierungen im Überblick:



1. Ausbildungsjahr:
Melanie Oberdorf, 2. Platz Herrenfach

Ronny Sarier, 3. Platz Herrenfach

Ronny Sarier, 3. Platz Damenfach

Melanie Oberdorf, 4. Platz Damenfach

Bozsahin Figen, 5. Platz Damenfach

Katzenberger Bianca, 6. Platz Damenfach

Lumnije Alui, 7. Platz Damenfach



2. Ausbildungsjahr:
Jennifer Strütt, 1. Platz Damenfach

Katrin Pfefferl, 3. Platz Damenfach

Heike Heßlinger, 4. Platz Damenfach

Martha Lehrmann, 5. Platz Damenfach

Ada Rosa Meyer, 6. Platz Damenfach


Kosmetikwettbewerb:
Ada Rosa Meyer, 2. Platz

Jennifer Strütt, 3. Platz

Evelyn Staudt, 4. Platz


Elke Düll, FL





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geändert am 06. Dezember 1996 durch U. Tutschku