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Städtisches Gewerbliches BBZ I Würzburg

Jahresbericht 1995 / 96


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Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 1995 /96


Fachgruppe Berufsoberschule




Themen:

Mit der Sozialkund hab`ich nichts am Hut ... !

Unterricht zwischen Ethik und Ethos

"Mit Optimismus in die Zukunft"




"Mit der Sozialkunde hab´ ich gar nichts am Hut...!"

stellte Christine K. aus der BOS 1a gleich zu Beginn dieses Schuljahres klar. Zugegeben, es ist für Anfänger an der BOS zunächst wenig einleuchtend, warum nach Jahren des Berufsschulbesuchs nun schon wieder Sozialkunde auf dem Stundenplan steht. Allerdings unterscheiden sich die ´Sozialkunden´. Das zeigt schon ein Blick auf die Lernzielbereiche. Soziale Strukturen und Abläufe, sowie der politische Prozeß in der Bundesrepublik sind Gegenstand in der ersten Klasse. Politische Theorie und internationale Politik werden in der zweiten Klasse thematisiert. Stoffstruktur und natürlich der Tiefgang sind ein weiteres Unterscheidungsmerkmal. Im Gegensatz zum Sozialkundeunterricht der beruflichen Grundbildung geht die Sozialkunde der BOS über Grundlagenwissen und grundlegende Zusammenhänge hinaus. Sie will damit auch den Brückenschlag zu Sozial- und Politikwissenschaft als Fachwissenschaften leisten - immer mit klarem Blick auf ihr Klientel: die Schülerinnen und Schüler der Berufsrichtung Technik. Erklärtes Ziel der BOS-Sozialkunde ist die Vermittlung von erweiterter politischer Bildung an künftige Studenten beruflicher Lehrämter, eventuell der Geisteswissen-schaften und naturwissenschaftlich-technischer Wissenschaften. Besonders letztere sollten sich bewußt machen können, daß ihr späteres berufliches Handeln in Zusammenhang mit sozialer Umgebung beziehungsweise materieller Lebenswelt steht und deswegen nicht ausschließlich von technizistischen Motiven geleitet werden darf.

Zurück zum schulischen Alltag. Seit der Gründung unserer BOS unterrichten dort auch Studienreferendare des Seminars für Sozialkunde. Da bleibt es nicht aus, daß, so wie in diesem Jahr, ein ´Ehemaliger´ vor den Klassen steht - nun als Lehrkraft.

Nach alledem ein skeptischer Blick zur eingangs erwähnten jungen Dame? Nicht nötig! Sie hat inzwischen, neben ihrer regulären Arbeit, engagiert und gut gelungen zum Thema Kommunalwahlen´96 referiert. Und es scheint, als wäre jene erste spontane Stellungnahme mittlerweile ein wenig relativiert.


Peter Lindacher/Wolfgang Liepold

Gruppenfoto

An der BOS beheimatet- das diesjährige Seminar für Sozialkunde: (von links nach rechts)

Peter Wiedemann (Bautechnik/SK, BBZ II Würzburg), Peter Lindacher (Seminarlehrer), Michael von Prümmer (Bautechnik/SK, BBZ II Würzburg), Volker Morper (Sozialpädagogik/SK, FOS Bamberg), Beate Schuhmann (Sozialpädagogik/SK, FOS Bamberg), Harald Mettmann (Sozialpädagogik/SK, FOS Bamberg), Ulrich Engelhard (Sozialpädagogik/SK, FOS Bamberg); nicht im Bild: WolfgangWalter (Sozialpädagogik/SK, FOS Bamberg);Herbert Schäfer-Ruschig (Sozialpädagogik/SK, FOS Bamberg);






Unterricht zwischen Ethik und Ethos

Fenster für Mostar


E t h i k als das reflektierende Hinterfragen menschlichen Handelns im Hinblick auf wertebezogene Kategorien und E t h o s als dieses sittliche Tun selbst: auch diese Spannung kann Thema des Unterrichts sein. Die Schaltstelle ergibt sich dort, wo die Frage nach übergeordneter Verantwortung auch unser Handeln im Alltag betrifft, gerade auch dann, wenn "Gut-sein-Wollen" allein nicht ausreicht, sondern sogar ins Gegenteil umschlagen kann.

Fragen, die daraus entstehen, sind etwa:

- Gibt es Maßstäbe für das unübersichtlich gewordene Spendenwesen?

-Wo schadet es mehr als es nützt?

-Wo ist es nur Beruhigung für das schlechte Wohlstandsgewissen oder sinnvolles Abgeben und Hilfe dort, wo sie gebraucht wird?

- Wie ist das mit dem Appell zu "fairem Handeln"?

- Ist er moralisierendes Gehabe oder sinnvolle Alternative zu den menschenverachtenden Auswüchsen des Welthandels?

Wird sich der Unterricht auch hier in erster Linie auf Information und Reflexion beschränken müssen, so gibt es doch auch "Ausflüge in die Praxis". Die Vorbereitung der Weihnachtsfeier der BOS war ein solcher Anlaß.

Während die Ethikgruppe der zweiten Klassen den Kontakt zur Aids-Hilfe herstellte, informierte sich die Gruppe der ersten Klassen über die Initiative "FENSTER FÜR MOSTAR" aus Schonungen. Dieses Motto ist nur nur metaphorisch zu verstehen: Hier engagiert sich eine Gruppe von Praktikern sehr konkret durch das Sammeln und den Transport von Baumaterialien beim Wiederaufbau von Mostar.

Persönlicher Bezug und überzeugende Notwendigkeit: dies sind die Faktoren, die Vertrauen in eine Initiative fördern, und so konnten die Schüler am 09.02.1996 ein Scheck über 250,00 DM aus der Sammlung der Weihnachtsfeier übergeben.


Ursula Müller






"MIT OPTIMISMUS IN DIE ZUKUNFT"

Die Weihnachtsfeier von BAS und BOS

Inzwischen hat die Weihnachtsfeier am letzten Schultag vor den Winterferien als eine Insel der Nachdenklichkeit ihren festen Platz im Getriebe des Schulalltags.

Der geschmückte Baum, die Tischreihen mit Gebäck, Tee und Glüh"wein", die Kerzen: Diese nahezu unverzichtbaren Attribute einer Weihnachtsfeier machten nur einen Teil der Veranstaltung aus.

In den Texten des ökumenischen Gottesdienstes und in der Ansprache von Pfarrer Hans Uebler wurde das Motto der Feier "Mit Optimismus in die Zukunft" sehr wohl in seiner Spannung zu den Erfahrungen unserer Gegenwart hinterfragt. Wer die Augen nicht verschließt gegenüber der Arbeitsmarktsituation, den Umweltkrisen und den internationalen Konflikten, der muß sich Zukunftsgewißheit immer wieder aus einem bewußten T r o t z d e m heraus erarbeiten.

Als Teil dieses Realitätsbezugs und nicht als weihnachtliche Alibigeste wollen die Schüler auch ihre Sammlung verstanden wissen, aus der sie 173,00 DM an die AIDS-HILFE Würzburg und 250,00 DM an die Initiative "FENSTER FÜR MOSTAR" in Schonungen übergeben konnten.


Ursula Müller





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geändert am 06. Dezember 1996 durch U. Tutschku