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Städtisches Gewerbliches BBZ I Würzburg

Jahresbericht 1995 / 96


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Inhaltsverzeichnis Jahresbericht 1995 /96


Die europäische Dimension




"Eine runde Mannschaftsleistung"


Leere Kassen auf der ganzen Linie, also auch beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk, das für die Förderung des Schüleraustauschs mit unserem östlichen Nachbarn zuständig ist. Im Zeichen dieser Ebbe stand diesmal der Besuch einer wiederum 12-köpfigen Schülergruppe und zweier Lehrer von der Zespól Szkól Mechanicznych, unserer Partnerschule in Swidnica.

Derart drastisch waren die Mittel vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk reduziert worden, daß der Aufenthalt der Schüler zeitweise sogar in Frage gestanden hatte. Doch es fanden sich Sponsoren, die beherzt und mit helfender Hand einsprangen, so beispielsweise die Kfz-Innung von Unterfranken oder das Schulreferat der Würzburger Diözese, dessen Leiter Günter Putz gerade für die jungen Polen besonders gern in die Bresche sprang: "Auf dem Wege zum gemeinsamen Europa sollten wir uns bei einer solchen Gelegenheit nicht kleinkariert zeigen", erklärte Putz.

Kontakte seit 92

In der Tat, Gräben überwinden und Brücken bauen lautet die Devise gegenüber unseren östlichen Nachbarn und dies gilt nicht nur gegenüber Polen. Mit wem aber wollte man da beginnen, wenn nicht mit der Jugend? Rund 30 Partnerschaften zwischen polnischen und bayerischen Schulen gibt es derzeit, und die beruflichen Schulen mischen in diesem Konzert inzwischen kräftigt mit. Die Beziehungen der Franz-Oberthür-Schule zur Zespól Szkól Mechanicznych, einer Berufsfachschule für Metall- und Kfz-Technik, bestehen seit 1992 und gehen auf die Vermittlung der in Würzburg wohnhaften Sportlehrerin Teresa Ster zurück, die aus der Nähe von Swidnica stammt.

Ein umfangreiches Programm

Die zwölf jungen Kfz-ler und ihre Lehrkräfte absolvierten während der 9 Tage in Würzburg ein umfangreiches Programm: Bei den Kfz-Fachbetrieben Ford, Mercedes, Porsche und BMW leisteten sie dreitägige Kurzpraktika ab und bekamen dabei Einblicke in modernste Verfahren der Kraftfahrzeugwartung. Sie besuchten den Kolbenhersteller Mahle in Alzenau, hatten im Rathaus einen Empfang durch Stadtschulrat Reiner Hartenstein und erhielten an der Franz-Oberthür-Schule nicht nur fachlichen, sondern auch sprachlichen Unterricht (an ihrer Schule hatten sie bereits mindestens zwei Jahre Deutsch). An den Abenden wurden sie von den Kfz-Schülern unseres Hauses betreut. Untergebracht waren sie im Würzburger Kolpingshaus, das sie übrigens wegen der guten Verpflegung und der toleranten Atmosphäre über den grünen Klee lobten.

Bei den Franziskanern

Auf Vermittlung von Monsignore Lorenz Heilmann verbrachten sie auch einen Nachmittag im Würzburger Franziskanerkloster, wo sich Pater Marek, ein polnischer Landsmann, ihrer annahm. Mit Pater Marek, 30 Jahre jung und selbst erst vor einem knappen Jahr von Krakau nach Würzburg gekommen, diskutierten sie über die heutige Situation der Kirche in Polen. Der Pater zeigte ihnen ferner das Kloster, zelebrierte eine Hausmesse, gedachte des Märtyrers Maximilian Kolbe und lud sie schließlich zu einer Brotzeit ein. Die Begrüßung der jungen Leute hatte sich Pater Quardian als Klostervorsteher nicht nehmen lassen. "Ich stamme aus Breslau und kenne eure Heimat sehr gut" erklärte er.

"Bei uns zuviel Theorie"

Mit großem Eifer nahmen sie nicht nur das fachliche, sondern auch das sprachliche und allgemeinbildende Angebot in Würzburg auf, sagte StD August Mayer, der das Programm zusammengestellt hatte und die Schüler fachlich betreute. Mayer lobte aber nicht nur die hohe Lernmotivation, sondern auch die Freundlichkeit und das gute Benehmen: " Eine Truppe, die einfach Spaß machte", faßte er sein Urteil zusammen.

Für Krystof, Tomasz, Gregorsz und den anderen war der Aufenthalt in Würzburg ganz gewiß ein großes Erlebnis, auch wenn das Taschengeld diesmal entfallen mußte. Sie äußerten sich jedenfalls begeistert über den technischen Standard der Kfz-Fachbetriebe und der Franz-Oberthür-Schule sowie über den hohen Praxisanteil bei der Ausbildung im dualen System. "Bei uns etwas zu viel Theorie", meinten sie unisono, "mehr Praxis besser".

Wiedersehen im nächsten Jahr

Mit den Würzburger Kfz-Lehrlingen werden sie sich im nächsten Schuljahr in Swidnica wiedersehen; dann nämlich ist die Franz-Oberthür-Schule mit dem Gegenbesuch dran. "Wir hoffen, daß sich die finanzielle Lage bis dahin entspannt hat", sagte August Mayer, der sich sehr gern an seinen Aufenthalt in Swidnica im Vorjahr erinnert.

Vielleicht aber dauert es mit dem Wiedersehen der Schüler auch gar nicht so lange, denn wie man heraushörte, sind einzelne Verabredungen für den Sommer bereits getroffen worden.

"Ohne Teamarbeit ist die Betreuung einer solchen Gruppe während des Unterrichtsalltags nicht möglich", meinte OStD Hermann Sauerwein, der Leiter der Franz-Oberthür-Schule im Rückblick auf den 9-tägigen Besuch. Als eine runde Mannschaftsleitung bezeichnete der Schulleiter den Einsatz der Kollegen, die - ohne dabei auf die Uhr zu schauen - sich der jungen Polen angenommen hatten. Allem voran dankte er August Mayer für seinen fachlichen Einsatz und für sein unermüdliches Bemühen um Sponsoren, gleichermaßen aber galt sein Dank auch den Kollegen Karlheinz Dotzler, Dr. Curt Cheauré, Wolfgang Towara, Bernd Eichfelder, Roland Wachter,Monsignore Lorenz Heilmann und nicht zuletzt Ltd. RschD a. D. Winfried Teige, der mit seiner Stadtführung großen Anklang bei den polnischen Schülern gefunden hatte. Den Kfz-Fachbetrieben, die die Schüler zum Praktikum aufgenommen hatten, sowie den Sponsoren sprach Sauerwein Anerkennung für ihre großzügige und weitblickende Haltung aus. "Auch hier zeigte sich wieder einmal, daß das Zusammenspiel verschiedener Lernorte und Institutionen im Rahmen des dualen Systems nicht nur auf dem Papier steht", erklärte er.



Peter Thiel






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geändert am 06. Dezember 1996 durch U. Tutschku