Die Ideologie der RAF
 
 

Die RAF bezeichnete ihren Kampf als "antiimperialistischen Kampf" gegen das demokratische Staatssystem der Bundesrepublik Deutschland. Sie verurteilt und bekämpft mit gewaltsamen Mitteln bestehende politische und gesellschaftliche Gegebenheiten und Institutionen.

Angelehnt an die politischenTheorien Marx und Lenin und anderer sozialistischer Führer wie Stalin, Mao und Fidel Castro geht die Ideologie der RAF von folgenden Prämissen aus:

- Wirtschaftliche Ausbeutung der Bürger. Dies führt zu einer Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen, Besitzende und Ausgebeutete.

- Der Staat hat das Gewaltmonopol und kann deswegen seine Bürger im Interesse der herrschenden besitzenden Klasse unterdrücken.

Die Ideologie der RAF greift auch auf die kritische Frankfurter Schule zurück und instrumentalisiert sie beispielsweise unter Berufung auf Aussagen von Herbert Marcuse (1):"Aber ich glaube, dass es für Unterdrückte und überwältigte Minderheiten ein Naturrecht auf Widerstand gibt, außergesetzliche Mittel anzuwenden, sobald die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben...
... Wenn sie Gewalt anwenden, beginnen sie keine neue Kette von Gewalttaten, sondern zerbrechen die Etablierten."

Das Hauptziel  der RAF war die gewaltsame Zerstörung der bestehenden Staatsordnung, Vorbild Che Guevara und sein lateinamerikanischer Guerillakrieg in Bolivien und Peru, Anleitung Che Guevaras Handbuch des Guerillakrieges. Die Gewalt sollte und wurde als taktisches Mittel zur Revolution verwendet.
Aus diesem Grund war die Gewalt von außerordentlicher Bedeutung für die RAF. Ulrike Meinhof : "Stadtguerilla ziehlt darauf ab, den staatlichen Herrschaftsapparat an einzelnen Punkten zu destruieren, stellenweise außer Kraft zu setzen, den Mythos von der Allgegenwart des Systems und seiner Unverletzlichkeit zu zerstören."
In der Kommunikation mit der Bevölkerung sollte ein revolutionärer Multiplikationseffekt erzielt werden.



(1) H. Marcuse: Pilosoph 1898-1979, Quelle: Triebstruktur und Gesellschaft: ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Frankfurt 1979
(2) U. Meinhof: Früchte des Zorns