Fachlehrplan für Mathematik an bayerischen Gymnasien KWMBl So.-Nr. 8/1991 |
Jahrgangsstufe 10 | (3, MNG 4) | ||
Algebra | (ca. 38 Std.) | ||
1 Rechnen mit Potenzen | (ca. 14 Std.) | ||
Ausgehend von Potenzen mit natürlichen Exponenten, lernen die Schüler exemplarisch die schrittweise Erweiterung einer Begriffsbildung kennen, wobei die Beibehaltung der Rechengesetze als Leitfaden dient (Permanenzprinzip). Die Schüler sollen mit Potenzen sicher umgehen lernen und zunehmend auch die vorteilhafte Darstellung betragsmäßig großer und kleiner Zahlen mittels Zehnerpotenzen beherrschen. Die Gleitkommadarstellung erlaubt es, die Genauigkeit gerundeter Größen eindeutig anzugeben. | |||
| - | Potenzen mit natürlichen, ganzzahligen und rationalen Exponenten |
Definitionen und Rechengesetze; | |
| - | Rechnen mit Potenzen |
Intensives Üben soll auch algebraische Grundkenntnisse (z. B. Rechnen mit Bruchtermen, Faktorisieren) immer wieder auffrischen. | |
2 Potenzfunktionen | (ca. 7 Std.) | ||
Mit der Betrachtung der Potenzfunktionen erhalten die Schüler Zugang zu einer weiteren Funktionenklasse. Das Herausarbeiten geometrischer Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Graphen in Verbindung mit der algebraischen Darstellung erzieht zu systematischem Vorgehen und zum Denken in Zusammenhängen. Dadurch wird die Funktionsbetrachtung reichhaltiger und eine wichtige Grundlage für die Infinitesimalrechnung in der Oberstufe gelegt. | |||
| - | Potenzfunktionen; |
Definitionsmenge, Wertemenge, Symmetrien, Monotonieverhalten; | |
| - | Umkehrbarkeit der Potenzfunktionen |
Definitionsmenge, Wertemenge und Graph der Umkehrfunktion | |
Die Potenzfunktionen können jeweils bereits im Anschluss an die Behandlung der entsprechenden Potenztypen besprochen werden. | |||
3 Exponentialfunktionen und Logarithmusfunktionen | (ca. 17 Std.) | ||
Exponentialfunktionen spielen ebenso wie ihre Umkehrfunktionen, die Logarithmusfunktionen, eine tragende Rolle, wenn es darum geht, Wachstums- oder Abklingvorgänge in Natur, Wirtschaft und Technik quantitativ zu erfasssen und funktional darzustellen ( | |||
| - | Exponentialfunktionen; |
Spätestens hier muss kurz auf Potenzen mit irrationalen Exponenten eingegangen werden. | |
geometrische Folgen |
Summenformel mit Anwendungen | ||
| - | Logarithmusfunktionen als Umkehrfunktionen der Exponentialfunktionen; |
Definitionsmenge, Wertemenge, Monotonie; | |
| - | Rechnen mit Logarithmen |
Logarithmen als Bezeichnungen für Exponenten; | |
| - | Exponentialgleichungen, logarithmische
Gleichungen |
exemplarische Behandlung | |
| - | Anwendungen, Sachaufgaben |
auch graphische Darstellungsmöglichkeiten (einfachlogarithmisches und doppeltlogarithmisches Papier) | |
Geometrie | (ca. 46 Std.) | ||
1 Fortführung der ebenen Geometrie: Kreismessung | (ca. 10 Std.) | ||
Die Probleme beim Messen von Kreisumfang und Kreisinhalt sollen den Schülern bewusst werden. Von dem damit zusammenhängenden wissenschaftlichen Bemühen, ja Ringen um Erkenntnis ("Quadratur des Kreises"), das sich über zwei Jahrtausende erstreckt hat, sollen sie erfahren. Bei der Bestimmung von Umfang bzw. Flächeninhalt des Kreises wird eine heuristische Grenzwertbetrachtung durchgeführt. Ein sicheres Umgehen mit den einschlägigen Formeln, insbesondere bei der Anwendung auf Figuren, wird angestrebt. | |||
| - | Umfang und Flächeninhalt eines Kreises, die Kreiszahl |
Begriffsbildung und Herleitung der Formeln mit Hilfe geeigneter Vielecke | |
| - | Länge eines Kreisbogens, Flächeninhalt eines Kreissektors |
auch Berechnung von Figuren, die Kreisteile enthalten | |
2 Fortführung der Raumgeometrie: Zylinder, Kegel, Kugel | (ca. 14 Std.) | ||
Zylinder, Kegel und Kugel kommen in vielfältiger Weise in unserer natürlichen und technischen Umwelt vor und regen zu entdeckender Beschäftigung mit Raumformen besonders an. Die Schüler sollen lernen, Volumen und Oberfläche dieser Körper zu berechnen. Die Entwicklung der entsprechenden Formeln erfordert wiederum Grenzwertbetrachtungen, die zwar erst mit Mitteln der Oberstufenmathematik präzisiert, aber bereits hier vorbereitend angesprochen werden können. | |||
| - | Oberfläche von Zylinder und Kegel; |
Grund- und Deckfläche, beim Schrägbild Hinweis auf Ellipsen;
Abwickelbarkeit der Mantelfläche, Mantellinie; | |
Formeln für die Oberfläche |
Beschränkung auf gerade Kreiszylinder und gerade Kreiskegel | ||
| - | Rauminhalt von Zylinder und Kegel; |
Analogie zu den entsprechenden Formeln für Prisma und Pyramide
In diesem Zusammenhang ist es möglich, das Cavalierische Prinzip wieder aufzugreifen. | |
| - | Rauminhalt und Oberfläche der Kugel; |
Herleitung der Volumenformel mit Hilfe des Cavalierischen Prinzips | |
| - | Anwendungsaufgaben; |
Berechnungen auch im Rahmen von Sachaufgaben | |
3 Trigonometrie | (ca. 22 Std.) | ||
Mit den trigonometrischen Funktionen lernen die Schüler ein vielseitiges Werkzeug kennen, mit dem man einerseits die Beziehungen zwischen Seiten und Winkeln eines Dreiecks rechnerisch erfassen, andererseits aber auch periodische Zusammenhänge funktional beschreiben kann. Dabei sollen die Schüler den Anwendungsreichtum der Trigonometrie (Vermessungs- und Navigationsaufgaben, Beispiele aus Technik, Physik und Astronomie) erleben. Die Steigung einer Geraden, ein auch für die Infinitesimalrechnung wichtiger Begriff, wird neu beschrieben. Die trigonometrischen Funktionen runden den Funktionenvorrat ab, der für die Oberstufe zur Verfügung stehen muss. Der Formelapparat soll auf das unbedingt Notwendige beschränkt werden. | |||
| - | Sinus, Kosinus, Tangens eines Winkels |
Definition z. B. am rechtwinkligen Dreieck oder am Einheitskreis; | |
| - | Berechnungen am rechtwinkligen Dreieck |
auch senkrechte Projektion, | |
| - | Sinussatz und Kosinussatz |
trigonometrische Berechnungen am allgemeinen Dreieck; | |
| - | die trigonometrischen Funktionen und ihre Graphen |
Bogenmaß; | |
| - | die Funktionenschar |
Verlauf der Graphen, | |
| - | Additionstheoreme für Sinus und Kosinus |
exemplarische Behandlung | |
Wahlpflichtgebiete für die mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildungsrichtung | |||
Kegelschnitte | (ca. 28 Std.) | ||
1 Zylinderschnitte | (ca. 10 Std.) | ||
Ellipsen kommen im Alltag als Schnittkurven, Kreisprojektionen und Schattenlinien häufig vor, ohne dass dies immer bewusst wahrgenommen wird. Am besonders übersichtlichen Fall des Schnittes einer Drehzylinderfläche mit einer Ebene sollen die Schüler auf diese Phänomene aufmerksam werden und gleichzeitig lernen, wie man ebene Kurven auf Zylinderflächen untersucht und beschreibt. Modelle und Zeichnungen sollen dabei die Raumvorstellung unterstützen und fördern. | |||
| - | die Ellipse als Schnittkurve; |
Symmetrieeigenschaften, Mittelpunkt, Scheitel und Halbachsen einer Ellipse; | |
Deutung der Ellipse als Bild eines Kreises bei Parallelprojektion |
Mantellinien der Zylinderfläche als Projektionsstrahlen | ||
| - | Mittelpunktsgleichung von Kreis und Ellipse; |
Die Ellipsengleichung ergibt sich aus der Kreisgleichung mit Hilfe einer axialen Streckung. | |
Konstruktion von Ellipsen bei gegebenen Halbachsen |
Konstruktion mit Hilfe der beiden Hauptkreise | ||
| - | Brennpunkte und Brennpunktseigenschaft einer Ellipse; |
Die Brennpunkte und die entsprechende Ortseigenschaft ergeben sich mit Hilfe der Dandelin-Kugeln.
Pierre Dandelin (1794 - 1847) | |
2 Kegelschnitte | (ca. 18 Std.) | ||
Beim Schneiden einer Drehkegelfläche mit einer Ebene erhält man Kurven unterschiedlichen Typs. Bei ihrer Untersuchung ergibt sich für die Schüler die überraschende Tatsache, dass manche dieser Kurven schon aus ganz anderem Zusammenhang, nämlich als Graphen von Funktionen bekannt sind. Ein Einblick in die physikalische und technische Bedeutung der Kegelschnitte soll vermittelt werden. | |||
| - | die drei Typen nichtentarteter Kegelschnitte |
Als vorläufige Bezeichnungen werden "geschlossener" bzw. "einteilig-offener" bzw. "zweiteiliger" Kegelschnitt empfohlen. | |
| - | die Ellipse als Kegelschnitt |
Anhand der Brennpunktseigenschaft wird der geschlossene Kegelschnitt als Ellipse erkannt. | |
| - | die Hyperbel als Kegelschnitt; |
Symmetrieeigenschaften, Mittelpunkt, Scheitel, reelle und imaginäre (Halb-)Achse des zweiteiligen Kegelschnitts; | |
Hyperbelkonstruktion mit Hilfe der Brennpunkte; |
Brennpunkte und die entsprechende Ortseigenschaft | ||
| - | die Parabel als Kegelschnitt; |
Symmetrieeigenschaft, Brennpunkt und Leit-linie des einteilig-offenen Kegelschnitts, Ortseigenschaft | |
Scheitelgleichung der Parabel; |
Die aus der Ortseigenschaft gewonnene Scheitelgleichung zeigt, dass es sich bei diesen Kurven um die schon bekannten Graphen der quadratischen Funktionen handelt. | ||
| - | physikalische und technische Bedeutung der Kegelschnitte |
( | |
Informatik (Grundlagen) | (ca. 28 Std.) | ||
Dieses Wahlpflichtgebiet kann in Jahrgangsstufe 10 nur gewählt werden, wenn es nicht schon in Jahrgangsstufe 9 behandelt wurde. | |||
Informatik (Fortführung) | (ca. 28 Std.) | ||
Die Wahl dieses Wahlpflichtgebiets setzt die Behandlung von Informatik (Grundlagen) in Jahrgangsstufe 9 voraus. | |||
1 Strukturierung von Programmen: Prozeduren | (ca. 8 Std.) | ||
Umfangreichere Algorithmen werden durch einen Prozess der schrittweisen Verfeinerung entwickelt. Die Schüler sollen in dieser Jahrgangsstufe kleinere Algorithmen als Prozeduren und Funktionen selbständig formulieren und dabei systematisches und übersichtliches Vorgehen lernen. In diesem Zusammenhang lassen sich die Inhalte von Informatik (Grundlagen) wiederholen. | |||
| - | Prozeduren, Funktionen |
Vereinbarung und Aufruf von Prozeduren und Funktionen; | |
2 Strukturierung von Daten: Felder | (ca. 7 Std.) | ||
Anhand der Datenstruktur "Feld" lernen die Schüler das Zusammenfassen von Daten gleichen Typs mit Hilfe einer geeigneten Indizierung kennen und entwickeln die Fähigkeit, komplexe Situationen zu gliedern. | |||
| - | Begriff des Feldes, Vereinbarung eines Feldes |
Index, Komponente; | |
| - | Verwendung von Feldern |
Eingabe, Sortierung und Ausgabe | |
3 Untersuchung einfacher numerischer Verfahren | (ca. 13 Std.) | ||
Die numerische Lösung eines Problems beruht im allgemeinen auf einem Näherungsverfahren. Den Schülern soll bewusst werden, dass bei der Erzeugung einer Näherung zwangsläufig Fehler auftreten. Auf die Ursachen der Fehler und die möglichen Fehlerarten sollte kurz eingegangen werden. Die Ermittlung von Lösungen eines Problems soll nicht ausschließlich durch die Erstellung eines Programms, sondern auch durch den Einsatz eines geeigneten Werkzeugs, z. B. eines Tabellenkalkulationsprogramms, geschehen. Die Schüler erleben dabei die Situation von Benutzern, die ihre Computeranwendung ohne Kenntnisse einer Programmiersprache gestalten. | |||
| - | Lösen eines linearen Gleichungssystems mit dem Gaußschen Eliminationsverfahren |
Es sollen nur eindeutig lösbare (n,n)-Systeme betrachtet werden. | |
| - | Vergleich von Verfahren zur Berechnung der Kreiszahl |
Anhand des Verfahrens von Archimedes lässt sich zeigen, dass algebraisch äquivalente Algorithmen nicht zu gleichen numerischen Lösungen führen müssen. | |
| - | Berechnung von Funktionswerten der Sinusfunktion |
Verwendung eines einfachen geometrischen Verfahrens zur Approximation der Gegenkathete des rechtwinkligen Dreiecks im Einheitskreis, z. B. nach Archimedes (ca. 287 - 212 v. Chr.) | |
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