Fachlehrplan für Mathematik an bayerischen Gymnasien KWMBl So.-Nr. 8/1991 |
Jahrgangsstufe 11 | (3, MNG 5) | ||
Infinitesimalrechnung | (ca. 84 Std.) | ||
1 Reelle Funktionen | (ca. 11 Std.) | ||
Das Untersuchen reeller Funktionen ist die zentrale Aufgabe der Infinitesimalrechnung in der Schule. Ausgehend von bereits aus der Mittelstufe bekannten Funktionen, sollen die Schüler den allgemeinen Begriff der reellen Funktion kennenlernen, mit den zugehörigen Fachausdrücken vertraut werden und sie sachgerecht anwenden können. | |||
| - | reelle Funktionen;
Eigenschaften |
Grundbegriffe: | |
| - | Umkehrbarkeit einer Funktion, |
Umkehrbarkeit streng monotoner Funktionen; | |
| - | Verknüpfung von Funktionen |
Summe, Differenz, Produkt, Quotient und Verkettung | |
2 Grenzwert und Stetigkeit | (ca. 16 Std.) | ||
Einen ersten Zugang zum systematischen Studium reeller Funktionen erhalten die Schüler durch die Untersuchung des Verhaltens einer Funktion in der Umgebung einer Stelle oder bei unbeschränkt wachsendem Argument. Dies soll den sicheren Umgang mit den wichtigen Begriffen Grenzwert und Stetigkeit vorbereiten und dabei die Schüler mit der mathematischen Behandlung des "Unendlich-Kleinen" und des "Unendlich-Großen" bekannt machen. Hier ist es besonders wichtig, die Schüler zu sorgfältigem Sprachgebrauch anzuhalten ( | |||
| - | Grenzwertbegriff; |
Schreibweisen wie | |
| - | Grenzwertsätze für Verknüpfungen von Funktionen |
Exakte mathematische Begründungen dieser Sätze sind nicht erforderlich. | |
| - | Stetigkeit einer Funktion an einer Stelle der Definitionsmenge;
Stetigkeit in einem Intervall |
Stetigkeitsuntersuchungen bei intervallweise definierten Funktionen | |
| - | Stetigkeitssätze für Verknüpfungen von Funktionen |
Mit Hilfe dieser Sätze wird die Stetigkeit insbesondere der rationalen Funktionen erkannt. | |
| - | stetige Fortsetzung einer Funktion; |
| |
| - | Vollständigkeit von |
Es genügt, den Zwischenwertsatz anschaulich plausibel zu machen. | |
Anstatt des hier vorgesehenen Weges "Grenzwert vor Stetigkeit" kann die Stetigkeit an den Anfang gestellt und der Grenzwert anschließend behandelt werden. | |||
3 Differenzieren reeller Funktionen | (ca. 32 Std.) | ||
Die Einführung der Ableitung einer reellen Funktion stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung der Mathematik dar ( | |||
| - | Steigung des Graphen einer Funktion in einem Punkt;
Ableitung einer Funktion an einer Stelle der Definitionsmenge;
Tangenten an einen Graphen |
Differenzenquotient, Differentialquotient; | |
| - | Ableitungsfunktion |
Bestimmen der Ableitungsfunktionen von: | |
| - | Monotoniekriterium für differenzierbare Funktionen |
Als Begründung genügen Plausibilitätsbetrachtungen. Die Beweisbedürftigkeit soll den Schülern deutlich gemacht werden.
Auf den Mittelwertsatz soll hingewiesen werden. | |
| - | Zusammenhang zwischen Differenzierbarkeit und Stetigkeit |
| |
| - | Ableitungsregeln für Summe und Produkt |
Sonderfälle: Ableitungsfunktionen von | |
| - | höhere Ableitungen |
insbesondere Bedeutung der 2. Ableitung für die Krümmung des Funktionsgraphen, Wendepunkte | |
| - | ganzrationale Funktionen |
Untersuchung des Graphen auf Symmetrie bezüglich der y-Achse oder bezüglich des Ursprungs;
Verhalten für | |
| - | Kettenregel |
Darlegung der Beweisidee; | |
| - | Quotientenregel |
Begründung mit Hilfe der Produktregel | |
4 Kurvendiskussion; Extremwertprobleme | (ca. 25 Std.) | ||
Der nunmehr erreichte Kenntnisstand ermöglicht es den Schülern, den Verlauf eines Funktionsgraphen rasch zu ermitteln. Für die Suche nach Extrempunkten und nach Wendepunkten werden dabei notwendige bzw. hinreichende Kriterien entwickelt und eingesetzt. Insbesondere die Frage nach Maxima und Minima spielt in der Praxis bei funktionalen Zusammenhängen eine wichtige Rolle. Extremwertprobleme sollen daher mit den Schülern eingehend behandelt werden. | |||
| - | Kurvendiskussion; |
Gesichtspunkte: | |
notwendige Kriterien und hinreichende Kriterien für lokale und globale Eigenschaften des Funktionsgraphen |
Verhalten am Rand der Definitionsmenge; | ||
| - | Bestimmen von ganzrationalen Funktionen mit vorgegebenen Eigenschaften |
auch Hinweis auf Interpolationspolynome | |
| - | Kurvenscharen |
auch Ortskurven ausgezeichneter Punkte; Möglichkeit zum Computereinsatz | |
| - | Extremwertprobleme |
inner- und außermathematische Beispiele; | |
Wahlpflichtgebiete für die mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildungsrichtung(Die Auswahlvorschriften sind in den Vorbemerkungen genannt.) | |||
Komplexe Zahlen (Grundlagen) | (ca. 28 Std.) | ||
1 Prinzipien für Zahlenbereichserweiterungen; Strukturen | (ca. 6 Std.) | ||
Bei einem Blick auf den in Unter- und Mittelstufe zurückgelegten Weg von den natürlichen bis zu den reellen Zahlen lassen sich wesentliche Prinzipien für Zahlenbereichserweiterungen herauskristallisieren. Die Schüler sollen bei der Betrachtung der bekannten Zahlenbereiche den Sinn der Einführung der Strukturen Gruppe und Körper einsehen und dabei die Möglichkeit erhalten, über die Grenzen der Schulmathematik hinauszublicken. | |||
| - | Zahlenbereichserweiterungen von |
Auf die historische Entwicklung des Zahlenbegriffs soll eingegangen werden. | |
2 Vierte Erweiterung des Zahlenbereichs: die komplexen Zahlen | (ca. 7 Std.) | ||
An Hand historischer Betrachtungen zum Lösen algebraischer Gleichungen sollen die Schüler insbesondere erfahren, dass die Verwendung der imaginären Einheit i durch Euler zwar erfolgreich, aber letztlich mathematisch ohne Fundament war und erst im 19. Jahrhundert auf eine exakte Grundlage gestellt werden konnte. | |||
| - | der historische Weg zu den komplexen Zahlen |
Geronimo Cardano (1501 - 1576) | |
| - | Konstruktion der komplexen Zahlen; |
komplexe Zahl als Paar reeller Zahlen; | |
3 Rechnen mit komplexen Zahlen; Lösen von Gleichungen in | (ca. 15 Std.) | ||
Veranschaulichung und Deutung der komplexen Zahlen in der Gaußschen Zahlenebene lassen Anwendungsmöglichkeiten innerhalb der Mathematik sowie in Naturwissenschaft und Technik sichtbar werden. Die Kreisteilungsgleichungen und der Fundamentalsatz der Algebra sind Glanzpunkte in der Entwicklung der Mathematik; die Schüler sollen beide kennenlernen und in diesem Zusammenhang eine Abrundung der bisherigen Gleichungslehre erleben. | |||
| - | Veranschaulichung komplexer Zahlen;
konjugiert komplexe Zahl |
Gaußsche Zahlenebene; | |
| - | Grundrechenarten |
auch Lösen quadratischer Gleichungen | |
| - | Polarform komplexer Zahlen |
| |
| - | reine Gleichungen, |
Bestimmen der Lösungsmenge; | |
| - | Fundamentalsatz der Algebra |
Überblick über die Lösungsmengen quadratischer bzw. kubischer Gleichungen mit reellen Koeffizienten; | |
Komplexe Zahlen (Abbildungen) | (ca. 28 Std.) | ||
Abbildungen in der Zahlenebene | (ca. 28 Std.) | ||
Die Schüler sollen lernen, Punktmengen in der Gaußschen Zahlenebene analytisch zu beschreiben und nicht zu schwierige Abbildungen von | |||
| - | Darstellung einfacher Punktmengen in der Zahlenebene |
Parallelen zur reellen und zur imaginären Achse, Ursprungsgeraden, Kreislinien; | |
| - | elementare Abbildungen von |
| |
| - | die Spiegelung am Einheitskreis |
| |
| - | weitere nichtlineare Abbildungen von |
insbesondere | |
| - | durch Iteration erzeugte Folgen komplexer Zahlen |
einfache Iterationen, z. B. | |
Sphärische Trigonometrie (Grundlagen) | (ca. 28 Std.) | ||
1 Geometrie auf der Kugel | (ca. 10 Std.) | ||
In der Kugelgeometrie müssen die Schüler viele aus der ebenen Geometrie vertraute Begriffe und Zusammenhänge neu überdenken. An die Stelle von Geraden treten Großkreise, das Parallelenaxiom gilt nicht mehr, und die Winkelsumme ist überraschenderweise nicht mehr für alle Dreiecke gleich. Die Schüler erfahren dabei, dass geometrische Aussagen nur einen bestimmten Geltungsbereich haben, und sie erkennen, wie wichtig die Wahl eines geeigneten mathematischen Modells zur Lösung von Anwendungsproblemen ist. | |||
| - | Großkreise und Kleinkreise auf der Kugeloberfläche |
geographisches Koordinatensystem ( | |
| - | Kugelzweieck |
Seiten, Winkel; | |
| - | Kugeldreieck |
Es werden hier und im folgenden nur Eulersche Kugeldreiecke betrachtet. | |
| - | Sätze über Seiten und Winkel im Kugeldreieck |
Seitensumme, Winkelsumme; | |
2 Berechnungen im Kugeldreieck | (ca. 18 Std.) | ||
Die Herleitung der Grundformeln des Kugeldreiecks gibt den Schülern Gelegenheit, ihre trigonometrischen Kenntnisse aufzufrischen und zu festigen. Das systematische Bearbeiten der Grundaufgaben ermöglicht es, die später auftretenden Anwendungsprobleme zu lösen. Anhand von geeigneten Zeichnungen und Modellen soll das räumliche Vorstellungsvermögen unterstützt und weiterentwickelt werden. | |||
| - | Grundformeln der sphärischen Trigonometrie:
Sinussatz; |
Herleitung des Winkelkosinussatzes aus dem Seitenkosinussatz durch Übergang zum Polardreieck | |
| - | Lösen der Grundaufgaben |
Berechnungen im Kugeldreieck | |
| - | Anwendungen auf die Erdkugel |
Entfernung zweier Erdorte; | |
Anstatt Sinussatz und Seitenkosinussatz direkt aus Betrachtungen am Dreikant zu gewinnen, kann auch zunächst das rechtwinklige Kugeldreieck behandelt und dann das allgemeine Kugeldreieck entsprechend zerlegt werden. | |||
Sphärische Trigonometrie | (ca. 28 Std.) | ||
1 Mathematische Geographie | (ca. 14 Std.) | ||
Zu Beginn der Neuzeit ergab sich vor allem bei der Seefahrt verstärkt die Notwendigkeit, sichere Methoden zur Ortsbestimmung zu finden. Anhand von Peilungsproblemen sollen die Schüler einen ersten Eindruck vom Anwendungsreichtum der sphärischen Trigonometrie gewinnen. Die Beschäftigung mit Kartenentwürfen zeigt die grundsätzlichen Schwierigkeiten auf, die bei der Abbildung der Kugeloberfläche in die Ebene entstehen. | |||
| - | Peilungsprobleme |
Fremdpeilung; | |
| - | Kartenentwürfe |
Hier ist zunächst nur an einen Überblick über die drei Haupttypen Zylinderentwurf, Azimutalentwurf und Kegelentwurf gedacht. | |
| - | exemplarische Behandlung eines der drei Kartenentwurfstypen |
Bestimmung der Abbildungsgleichungen; | |
2 Mathematische Astronomie | (ca. 14 Std.) | ||
Die mathematische Astronomie beschäftigt sich mit den scheinbaren Bewegungen der Himmelskörper infolge der täglichen Drehung der Erde. Die Schüler lernen mit der Himmelskugel ein Modell kennen, an dem sie ihre mathematischen Kenntnisse zur Lösung nautischer Probleme einsetzen können. | |||
| - | Himmelskugel als mathematisches Modell |
Sternenhimmel, Ekliptik, Bewegung der Planeten | |
| - | Koordinatensysteme der mathematischen Astronomie |
Horizontsystem, Äquatorsystem; | |
| - | Grundbegriffe der Zeitrechnung |
tägliche und jährliche Bewegung der Sonne;
wahre Ortszeit, mittlere Ortszeit, Zonenzeit | |
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