Jahresbericht der Bundesregierung 1994: Bundesministerium der Verteidigung

 

Neue Konzeption Reservisten

 

Landes- und Bündnisverteidigung sowie die Fähigkeit zur vorbeugenden Krisenbewältigung verlangen Streitkräfte, die zur raschen Reaktion ebenso befähigt sind wie zum lageangemessenen Aufwuchs auf einen Verteidigungsumfang von etwa 650.000 bis 700.000 Soldaten innerhalb einer nunmehr längeren militärisch nutzbaren Vorbereitungszeit.

In diesem Zusammenhang behalten Reservisten ihre besondere Bedeutung für die Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit unseres Landes. Sie leisten insbesondere einen wesentlichen Beitrag zur Aufwuchsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der mobilmachungsabhängigen Hauptverteidigungskräfte. Darüber hinaus können Reservisten auch im Rahmen von Krisenreaktionskräften unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Auftrages und den damit verbundenen Anforderungen an Eignung und Verfügbarkeit eingeplant und eingesetzt werden.

Die Konzeption für die Reservisten der Bundeswehr vom 2. September 1994 trägt im Einklang mit der Konzeptionellen Leitlinie den geänderten politischen und militärischen Rahmenbedingungen Rechnung.

Ausbildung und Verwendung der Reservisten werden auf eine neue Grundlage gestellt. Die Belastung des einzelnen wird durch die Vorgaben für die Beorderungsdauer und für die Inanspruchnahme zu Wehrübungen transparenter und auf das notwendige Maß begrenzt. Dabei war es zudem wichtig, auch die Belange der zivilen Arbeitswelt angemessen zu berücksichtigen.

Mit der ab 1996 neu zu schaffenden Einsatzreserve und der bereits eingerichteten Beorderungsreserve werden engagierte und qualifizierte Reservisten auf freiwilliger Basis stärker in die Pflicht genommen und Förderungsmöglichkeiten verbessert.

Zugleich sollen durch das Vorziehen des Leistungszuschlages bei Wehrübungen sowie mit der Einführung der RUA-Prämie und eines besonderen Leistungszuschlages für die Einsatzreserve neue finanzielle Leistungsanreize geschaffen werden.

Die Erkenntnisse über den Einsatz von Reservisten bei den bisherigen Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Rahmen der Vereinten Nationen sind umfassend ausgewertet und werden in den laufenden Planungen umgesetzt. Die Reservisten haben sich bei den Einsätzen voll bewährt.

Die Zahl der Wehrübungsplätze mußte aufgrund der Haushaltsenge auch im Jahr 1994 auf 1.000 begrenzt werden. Die in der Konzeption Reservisten festgelegte Zielgröße von 3.000 Wehrübungsplätzen soll nach derzeitiger Planung in einem schrittweisen Aufwuchs ab 1998 erreicht werden. Damit können dann rund 100.000 Reservisten pro Jahr in Übung gehalten werden.

 

[ZURUECK]