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Das Duden-Monopol geht zu EndeKultusminister entscheiden über Änderung der Rechtschreibung40 Jahre lang bestimmte die Dudenredaktion allein die Entwicklung der deutschen Rechtschreibung. Mit der Rechtschreibreform und dem Erscheinen der neuen 21. Duden-Ausgabe endet dieses Monopol. Künftig wollen die Kultusminister wieder das letzte Wort behalten. Dazu werden sie eine ständige "Zwischenstaatliche Rechtschreibkommission" mit zwölf Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einsetzen. Zuständig für das Amtsdeutsch bleibt dagegen der Bundesinnenminister. Begonnen hatte das Monopol der Dudenredaktion mit einem kleinen Hinweis in der Rubrik "Sonstiges" des Bundesanzeigers vom 15. Dezember 1955. Dort war nachzulesen, daß fortan "in Zweifelsfällen die im Duden gebrauchten Schreibweisen und Regeln verbindlich" sind. Damit hatten die Kultusminister faktisch auch alle Änderungen der Rechtschreibung in die Obhut des Dudenverlages übergeben. Nicht alle Neuregelungen, die in den vier Jahrzehnten aufgenommen wurden, fanden ungeteilten Beifall. Einige Kritiker warfen der Redaktion unverhohlen Willkür vor, Gründe für Änderungen unterlägen dem Redaktionsgeheimnis. Spötter behaupteten, daß in der Gesellschaft ein Wort nur häufig genug falsch geschrieben werden müsse, um dann auch vom Duden geändert zu werden. So konnte der schon von den Römern verkannte "Vandale" auch zum "Wandalen" werden. Ebenso kam die "Fantasie" statt "Phantasie" an die Macht. Zugelassen wurden auch "Schofför" statt "Chauffeur", "Krem" statt "Creme", "Kabriolett" statt "Cabriolet" und "Schi" statt "Ski". Und nur wenige wissen, daß man laut Duden auch "scharmant" statt "charmant" schreiben kann. Das soll jetzt anders werden. Die vom Staat national-paritätisch ernannten neuen Hüter sollen ab 1998 in der Kommission über die deutsche Sprache wachen. Sie dürfen Änderungen im Sprachgebrauch registrieren, neue Regeln vorschlagen und dies den Kultusministern unterbreiten. Die Kommission selbst hat keine Vollmacht für Entscheidungen. Dennoch wird hinter den Kulissen bereits um die Besetzung der sechs deutschen Plätze gerungen. Gestritten wird bei der Kandidatenkür um Kompetenz und Ansehen. Fünf der ehrenamtlichen Mitglieder sollen auf Vorschlag des Instituts für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim berufen werden, wo auch die neue Geschäftsstelle der Kommission angesiedelt wird. Ein weiterer Vorschlag soll von der Gesellschaft für deutsche Sprache kommen. Alle zwei Jahre erstattet die Kommission künftig Bericht über die Entwicklung der Rechtschreibung. Ausdrücklich wurde in der Vereinbarung zwischen allen beteiligten Staaten festgelegt, daß die von der Kommission vorgeschlagenen Änderungen "der Bestätigung der staatlichen Stellen bedürfen". So wird sichergestellt, daß radikale Änderungen in Zukunft unterbleiben. Bereits bei dieser Reform stoppten die Kultusminister etliche Wünsche der Wissenschaftler. Sie stellten sicher, daß "Heiliger Vater" auch künftig groß geschrieben wird. Der "Thron" behielt ein weiteres Mal sein "h". Bereits 1901 - bei der letzten Rechtschreibreform" - wollten ihm die Wissenschaftler ähnlich wie "Tür" und "Tor" das "h" rauben. Damals schritt der Kaiser ein, diesmal die Ministerpräsident. Quelle: Das Gymnasium in Bayern, Zeitschrift des Bayerischen Philologenverbands |
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