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Die Klage mancher Schüler und Lehrer - "Wir müssen eine Rechtschreibung lernen, die es in der Welt der Printmedien gar nicht gibt." - ist überholt: DIE WOCHE
erscheint seit der NR. 1/1997
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Quelle: Die Woche, 1/1997 Sie wissen, wir haben uns nie an der allgemeinen Aufregung über die Reform der deutschen Rechtschreibung beteiligt, auch nicht am jüngsten, verspäteten Aufflackern der Empörung. Viele von uns, auch ich, hielten das neue Regelwerk für überflüssig, aber da Sprache etwas Lebendiges ist, sich verändert und weiterentwickelt, haben wir gelernt, dass es durchaus gut sein kann, ihre Regeln ab und an zu renovieren. Schließlich sind bald 100 Jahre seit der letzten Rechtschreibreform vergangen. Da ist es an der Zeit, Widersprüche und Ballast zu überprüfen. Sicher hätten wir uns den jetzt beschlossenen Kompromiss in etlichen Punkten anders vorgestellt oder gewünscht. Will sagen, auch in der WOCHE-Redaktion sind die neuen Regelungen heftig diskutiert worden. Trotzdem fanden wir die Reform nach gründlicher Prüfung so unsinnig nicht. Und um unseren Lesern die Umstellung frühzeitig zu ermöglichen (viele Schulen und Institutionen setzen bereits ein), werden wir von dieser Ausgabe an die neuen Regeln verwenden. Dabei wollen wir die Freiheiten, die die Reform zum Beispiel bei der Kommasetzung oder der Silbentrennung lässt, weitgehend auch unseren Mitarbeitern einräumen. Die WOCHE-Autoren Günter Grass, Siegfried Lenz oder Peter Rühmkorf müssen nicht um ihre persönlichen Eigenheiten fürchten; wir werden ihre Texte auch in Zukunft in ihrer Sprachdiktion drucken. Scheußlichkeiten zudem wie die Abtrennung einzelner Buchstaben am Zeilenende (etwa bei A-bend) sollen uns und Ihnen erspart bleiben. Wo es für einige Wörter künftig mehrere Schreibweisen gibt (Delphin/Delfin), wird sich die Redaktion für eine Variante entscheiden, die das Sprachgefühl nicht allzu sehr schmerzt - eine Sonderbeilage klärt Sie darüber auf. Und wenn Sie diese WOCHE kritisch studieren, wird Ihnen wie uns schnell klar werden: So dramatisch, wie oft an die Tafel gemalt, sind die neuen Regeln wirklich nicht. Manfred BissingerDIE WOCHE
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