Vortrag über Afghanistan

Von Afghanistan, den Taliban, von Krieg, Hunger und Terror im vorderen Asien haben unsere Schüler schon oft in den Nachrichten gehört. Umso neugieriger waren sie auf die Begegnung mit einem Zeitzeugen, der seit Jahren in dieser Krisenregion Hilfseinsätze leistet und sich mit Land und Leuten bestens auskennt: Dr. Reinhard Erös, ehemaliger Bundeswehrarzt im Range eines Oberst, in Tirschenreuth in der Oberpfalz geboren, gehört seit vielen Jahren zur Gruppe "Ärzte für die Dritte Welt."


Und Erös wusste viel zu erzählen, fesselnd und packend. Galt doch sein Engagement seit dem Einmarsch der Sowjetunion im Winter 1979/1980 vor allem Afghanistan. Das Leid der Einheimischen - mehr als die Hälfte der 15 Millionen- Bevölkerung starb, wurde verstümmelt oder vertrieben - ließen den Bundeswehr- Arzt nicht los. Immer wieder verbrachte er seinen Jahresurlaub in der Krisenregion. Ende der 80er Jahre ließ er sich vom Dienst freistellen und siedelte mit der Familie für drei Jahre ins Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan über. Er riskierte berufliche Existenz, Gesundheit und Leben.

Dies hinderte den Arzt nicht daran, angesichts katastrophaler medizinischer Verhältnisse, in Felshöhlen und Zelten zu operieren und zahllose Kinder gegen Lepra oder Cholera zu impfen. Seine Frau Annette eröffnete während dessen eine Schule in der pakistanischen Grenzstadt Peschawar. Inzwischen lebt Familie Erös wieder in Bayern.

Die Schüler lauschten gebannt den Erzählungen des Arztes über seinen humanitären Einsatz. Immer wieder machte er die Unterschiede zur Lebenswelt der Schüler deutlich, erzählte von der Mentalität der Afghanen, den Taliban oder den religiösen Vorstellungen des Islam, wie er ungewöhnliche Tauschgeschäfte tätigte, wie Wachsamkeit, Flexibilität und Tarnung seinen Alltag bestimmten.

Auf diese Weise bekam das Bild der Jugendlichen von den Vorgängen im "wilden Kurdistan" klarere Konturen als zuvor. Der Besuch des Arztes in der Schule erwies sich als geschichtlicher und politischer Anschauungsunterricht aus erster Hand. Angeregt vom eindrucksvollen Vortrag entschloss sich der 11. Jahrgang zu einer Spenden-Aktion zu Gunsten der "Ärzte für Dritte Welt", die bis zu den Osterferien läuft.

Ein Artikel dazu aus dem Jahresbericht: Tee mit dem Teufel


Quelle: Mainpost