
Das Ende der Realschule
Mit der Entlassung der Absolventen des Schuljahres 2006/07 ist auch das Ende der Schönborn-Realschule gekommen. Über Jahrzehnte war der Verbund aus Schönborn-Gymnasium und Realschule bekannt als "Würzburger Modell", in dem die oft zitierte Durchlässigkeit zwischen den Schultypen bewiesen und praktiziert wurde. Begabten Realschülern sollte der Übergang ins Gymnasium erleichtert werden, durch den täglichen Umgang im gleichen Haus sollten Vorurteile und Schwellenängste in beiden Richtungen abgebaut werden. Gymnasiasten machten häufig von der Möglichkeit Gebrauch, im selben Gebäude relativ problemlos in die Realschule zu wechseln, weil auch die Beratungswege kurz waren. Schließlich konnten von 1977 bis 1983 Hauptschüler mit sehr gutem qualifizierenden Abschluss in einer "Besonderen 10. Klasse" innerhalb eines Jahres zur Mittleren Reife gelangen.
Kolleginnen und Kollegen konnten vom Miteinander zweier Schularten in fachlicher, pädagogischer und menschlicher Hinsicht profitieren. Aus heutiger Sicht betrachtet also eine Schule, die angesichts vieler Diskussionen um neue Formen des Lernens immer schon modern war.
Aber die Realschule, die 1972/73 mehr als 800 Schülerinnen in 21 Klassen umfasste, war auch eine Schule auf Wanderschaft. Ständige Raumnot und Auslagerungen in die verschiedensten Schulgebäude der Stadt prägten Jahrzehnte den Alltag. Dass mit dem letzten Umzug in das Jakob-Stoll-Gebäude 2001 ein Ende in Sicht sein könnte, erwies sich als Illusion und fatale Realität zugleich: Nur ein Jahr später entschied der Würzburger Stadtrat, dass die 4-stufige Realschule nicht in die neue 6-stufige Form umgewandelt werden sollte, wie es die damals so gelobte bayerische Realschulreform vorsah. Damit war die Schließung der Schönborn-Realschule zum Ende des Schuljahres 2006/07 unabänderlich geworden.
Die Stadt Würzburg und ihre politischen Vertreter preisen bis heute diese Entscheidung als beste Lösung für ihre finanziell angeschlagene Kommune. Die Pädagogik blieb - wieder einmal - auf der Strecke.
Brigitte Greving, Realschulkonrektorin