Essen und Trinken wie die Römer


Diesen Wunsch hegte schon mancher Lateinschüler, doch nun ließ ihn der Latein-LK wahr werden. Inspiriert von der aktuellen Lektüre, Petrons "Cena Trimalchionis", und der interessanten Exkursion ins Pompejanum nach Aschaffenburg, stand der Entschluss sehr schnell fest: Wir wollen auch mal eine solche Mahlzeit kochen bzw. noch lieber essen! Also traf man sich eines Spätnachmittags in einer "villa privata", um dort diverse Speisen, die nach Originalrezepten aus dem Werk "Das altrömische Kochbuch des Apicius" angefertigt wurden, zu probieren. Dieses Kochbuch stammt aus der Kaiserzeit und stellt angeblich sowohl den verwöhnten Gaumen als auch den, der gute Hausmannskost liebt, zufrieden - also genau das Richtige für probierfreudige Feinschmecker!

Pünktlich um 18 Uhr waren dann die "Gourmets" angereist und die cena konnte mit dem mulsum, dem römischen Gewürzwein, beginnen. Bereits bei diesem Getränk fällt auf, dass fast alle Rezepte ein intensives Würzen vorschreiben, wodurch oft der Eigengeschmack des Gerichts übertönt wurde. Neben den einheimischen Würzpflanzen wie Koriander, Knoblauch, Liebstöckel und Oreganum liebte der Römer Pfeffer, Ingwer und Zimt, die oft teuer importiert wurden. Als gustatio, d. h. als Vorspeise, hatte man nun die Wahl zwischen diversem Obst wie Erdbeeren und Weintrauben, Oliven und moretum, einem Käseaufstrich aus Schafs- und Frischkäse. Diesen galt es nun auf sog. Mostbrötchen, lateinisch: mustei, zu streichen. Einziges Handicap dabei war, dass es, wie in der Antike üblich, nur Löffel als Hilfsmittel gab!

Nach dieser Grundlage konnte man ruhig zum Hauptgericht, lateinisch: mensae primae, übergehen. Auch hier fiel auf, dass die Römer gerne mit aromatisch versetztem Wein kochten, dem die heutigen schweren Tokajerweine oder die süßen Trockenbeerenauslesen wohl am nächsten kommen. Auch durfte bei keinem Gericht das "garum" fehlen, eine salzige Delikatesswürze aus Fischsauce, das heute durch Salz ersetzt wird. Nun wurde Schweinebraten, mit Feigen und Lorbeerblättern gekocht und in Honig gewälzt, im Backofen im eigenen Saft geschmort.

Außerdem gab es "Parthisches Huhn", das wohl nach "Parthien", Roms Rivalen im Osten benannt ist. Dieses Geflügel ist ein einfaches und für römische Verhältnisse fast ungewöhnliches Gericht, da es nichts Süßes enthält. Allerdings nimmt das Fleisch eine violette Färbung an, da es mit Rotwein, in dem einige Gewürze enthalten sind, übergossen wird. Zu diesen Hauptgerichten aß der Römer die bereits genannten Mostbrötchen, dazu Salate aller Art, z. B. Gurken- oder Blattsalat. Als mensae secundae, also als Dessert, gab es erneut Früchte in diversen Formen, aber auch kleine Süßigkeiten. Spätestens nach dieser cena war allen klar, dass die Römer Wert auf gutes Essen und Trinken legten und die römische Küche somit ein bedeutendes Stück römischen Lebens widerspiegelt.



Jutta Fernandes