Informationsforum Oberstufenreform


Oberstufenmodelle von Schülern aus dem Ideenwettbewerb "Kollegstufe - brained by you"

Im Schuljahr 1995/96 veranstaltete die GEW Bayern einen Ideenwettbewerb zum Thema "Kollegstufe - brained by you", bei dem über dreißig Teams teilnahmen. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden im Februar 1996 die drei besten Modelle der Öffentlichkeit vorgestellt. Hier sind die drei siegreichen Vorschläge:
Vorschlag 1: Neue Lerninhalte und -methoden!

Eingereicht von einer Arbeitsgruppe der Landesschülervertretung - Landesvereinigung der bayerischen Bezirksschülersprecher e. V., bestehend aus Oliver Manger, Volker Tzschucke und Johannes Ponader.

0. Präambel

In unseren Augen genügt es bei der Diskussion über eine Reform der gymnasialen Oberstufe nicht, lediglich bei der Struktur des Systems anzusetzen. Vielmehr muß darüber nachgedacht werden, welche Lerninhalte und -methoden in Zukunft angewendet werden müssen, damit die Schule ihrem Auftrag gerecht wird.

Die Kursphase der gymnasialen Oberstufe sollte folgende Voraussetzungen erfüllen:

Dafür muß sich der Unterricht auch für die große Vielfalt neuer Möglichkeiten, sei es im pädagogischen Bereich durch neue Unterrichtsformen, im technischen Bereich durch die Bereitstellung und den Einsatz vieler Medien, öffnen.

1. Grundlagen

Die Kollegstufe soll innerhalb von vier Semestern die bisher erworbene allgemeine Bildung vertiefen, insbesondere aber auch wissenschaftliche Arbeitstechniken einüben. Dazu ist einerseits eine Betonung der Fächer Deutsch, Mathematik und fortgeführte Fremdsprache vonnöten. Diese Fächer dadurch zu stärken, indem man sie verpflichtend in die Abiturprüfung aufnimmt, ist jedoch nicht sinnvoll. Dies würde nämlich nicht allzuviel an der Arbeitshaltung der Schüler während der Kursphase ändern, wie es sich mancher Reformer im Kultusministerium erhofft; Es bedeutet nur einen Kraftakt am Ende der Schullaufbahn, von dem nur noch die Zensur für den Schüler Bedeutung hat, nicht aber die Verbesserungen und pädagogischen Ratschläge des Korrektors. Vielmehr kann der Bedeutung dieser Fachbereiche durch eine verpflichtende Einbringung, vor allem jedoch durch kleinere Kursstärken und damit durch bessere Lehr- und Lernbedingungen Rechnung getragen werden. Es kommt auf die Rahmen-bedingungen und Methoden an, nicht auf den Leistungsdruck.
Wir fordern also die Beibehaltung des Vier-Fächer-Abiturs.
Andererseits ist aber auch eine Differenzierung von Grundkursen und solchen Kursen nötig, in denen über den Grundkursbereich hinaus in der persönlichen Neigung entsprechenden Disziplinen wissenschaftliches Arbeiten erlernt werden kann. Ähnlich wie auch später an der Universität soll man also zu seinem Grundprograrnm zusätzliche individuelle Schwerpunkte setzen. In unserem Modell soll jeder Kollegiat zwei Fächer zu seinen "Schwerpunktkursen" wählen. wobei er den Grundkursunterricht in den Schwerpunktfächern weiterhin besucht. Im Schwerpunktkurs wird der im Grundkurs behandelte Stoff vertieft und ergänzt. Liest man also z.B. im Deutschunterricht ein klassisches Drama, so geht der Schwerpunktkurs verstärkt auf die Herkunft und Rezeption des Stoffes ein. In Geschichte wird zusätzliche Quellenarbeit betrieben, in Mathematik und den Naturwissenschaften können anspruchsvollere aufgaben gestellt oder, wie in vielen anderen Fächern auch, weitere Themenbereiche angesprochen werden. Auch der Fremdsprachenunterricht wird durch weitergehende Texte höheren Niveaus und durch Konversation ergänzt. im Schwerpunktunterricht Musik ist Zeit für das Instrument und die musikalische Praxis; der Sportunterricht vermittelt zusätzliche Sportarten und theoretische Kenntnisse. In vielen Fächern gibt es genügend Anlaß zu Diskussionen und tieferer Beschäftigung mit einzelnen Themen; die Liste ist beliebig fortsetzbar.

Bei der Wahl der beiden Schwerpunkte ist selbstverständlich die KMK-Bindung zu beachten.Für diese Schwerpunktkurse sind je drei Wochenstunden in den Semestern 12/2 bis 13/1 vorgesehen. In 12/1 entsteht dadurch im Stundenplan ein freier Tag (vgl. 3. Stundenplan). An diesem Tag im ersten Semester ist Zeit für ein Berufspra.ktikum, Arbeit in Jugendorganisationen, sozialen Einrichtungen oder der SMV, evtl. auch für einen Gasthöreraufenthalt an einer Universität, Zeit also, um außerhalb des wohlbehüteten Schülerlebens notwendige Erfahrungen zu sammeln.

Hierüber schreibt jeder Kollegiat am Ende von 12/1 einen Arbeitsbericht. Er wird vom Deutschlehrer benotet.

Weiterhin besucht jeder Schüler in K 12 ein sog. Seminar. Dort soll in Kleingruppen an einem fächerübergreifenden Projekt gearbeitet werden. In 12/2 wird von jedem Kollegiaten dann eine Seminararbeit erstellt, die nicht mehr als 10 bis 15 Seiten umfassen soll und gleichsam einen Abschluß des jeweiligen Projektes darstellt. Hier ist auch eine Erstellung im Team denkbar.

Schließlich schreibt jeder Kollegiat in 13/1 in einem der beiden Schwerpunktfächern eine Facharbeit, deren Umfang ebenfalls nicht größer als 15 Seiten sein soll.

Die bisherige Facharbeit, deren Umfang teilweise ein erschreckendes Ausmaß angenommen hat, soll also durch mehrere kleinere Arbeiten ersetzt werden, wobei zuerst allgemeine sprachliche und formale Gesichtspunkte, dann verstärkt fachliche Kriterien zur Korrektur herangezogen werden.
Viele Schüler erhalten in ihrer gesamten Schullaufbahn nur ein Jahr lang Unterricht im Fach Sozialkunde. Dies sehen wir als großen Mangel an, da das Gymnasium zu mündigen Staatsbürgern erziehen soll. Um die Stellung des Fachs Sozialkunde und damit den GPR-Bereich zu stärken, enthält unser Modell das für vier Semester verpflichtende Doppelfach Geschichte-Sozialkunde, das mit wöchentlich 3 Stunden unterrichtet werden soll. Damit wird auch dem engen thematischen Ineinandergreifen der beiden Fächer Rechnung getragen. Als Schwerpunktkursfächer sind Geschichte und Sozialkunde auch getrennt denkbar.

Im Gegenzug wurde in unserem Modell die Wochenstundenzahl in den Naturwissenschaften auf zwei reduziert. Dies ist vertretbar, da von den Hochschulen gerade in diesem Bereich von einer übertriebenen Spezialisierung gesprochen wird. Es kann ohnehin in keinem Studiengang auf diese in der Kollegstufe vermittelten Kenntnisse aufgebaut werden, da die Abiturienten aufgrund der Auswahlmöglichkeit (zwei aus drei: ph, c, bio) unterschiedliche Vorkenntnisse besitzen. Einschränkungen im Lernstoff sind daher sicher möglich und sinnvoll; für besonders Interessierte können im Zusatzangebot ergänzende Angebote stattfinden.
Erweiterungen des Fächerkanons im musischen Bereich durch Dramatisches Gestalten und im GPR-Bereich durch Psychologie oder Philosophie als reguläre Gnindkurse sollten geprüft werden.

2. Stundentafel

Folgende Beleg- und Einbringungsverpflichtungen sind in unserem Modell für den Grundkursbereich vorgesehen (Änderungen gegenüber dem status quo in Fettdruck):

BereichFachSemesterWochenstundenEinbringungspflicht in Sem.
Sprachl.-Literar.-
künstlerisch
Deutsch443
 1. Fremdsprache433
 2. Fremdsprache
(freiwillig)
430
 Kunst/Musik/
dramat. Gestalten
2
(in K13)
21
Gesellschafts-
wissenschaftl.
Geschichte/
Sozialkunde
432
 Erdkunde/Wirtsch-
Recht/Psychologie/
Philosophie
221
 Religion/Ethik422
Mathematisch-
naturwissensch.-
technisch
Mathematik433
 1. Naturwissenschaft422
 2. Naturwissenschaft221
 
 Seminar221
 Sport420

3. Stundenplan

Durch die weitgehend gleiche Grundkurswahl ergibt sich ein sehr kompakter Stundenplan.
Folgendes Schema zeigt ein fiktives Beispiel an einer Schule mit drei Schwerpunktkursschienen
(Schwerpunktkurse des Kollegiaten auf Schienen 1 und 2):

MontagDienstagMittwochDonnerstagFreitag
Kursschiene1Kursschiene2[ Kursschiene3 ]Kursschiene1Deutsch
MathematikReligion/Ethik1. NaturwissenschaftKursschiene1Deutsch
1. NaturwissenschaftGeschichte-
Sozialkunde
FremdspracheKursschiene2Religion/Ethik
FremdspracheGeschichte-
Sozialkunde
FremdspracheKursschiene2Geschichte-
Sozialkunde
Deutsch2. Naturwissenschaft
(nur K12)
Mathematik[ Kursschiene3 ]Erdkunde/Wirtsch-
Recht (nur K12)
DeutschErdkunde/Wirtsch-
Recht (nur K12)
Mathematik[ Kursschiene3 ]2. Naturwissenschaft
(nur K12)
 Seminar *Zusatzangebotin 12/1: 
 Kunst/Musik/
dramat. Gestalten *
ZusatzangebotPraxistag 
 Sport   
 Sport   

* in K 12: Seminar zweistündig; in K 13: Kunst/Musik/dramat. Gestalten zweistündig

4. Abschlußbemerkungen

Durch das vorgeschlagene Addita-System wird der aktuellen Erscheinung von "SchweizerKäse-Stundenplänen" in der Kollegstufe entgegengewirkt. Der kompakte Stundenplan und die Tatsache, daß die Schwerpunktkurse als die Kurse mit den kleinsten Kursstärken dreistündig -entgegen bisher fünf beim Leistungskurs - unterrichtet werden, ist das Modell kostenneutral, und es können so Schwerpunktkurse und Seminare mit kleinen Kursstärken eingerichtet werden


 
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Oberstufenmodelle von Schülern aus dem Ideenwettbewerb "Kollegstufe - brained by you"

Vorschlag 2: Umfassende Allgemeinbildung!

Eingereicht von zwei Kollegiaten des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums Moosburg: Christian Apfelbacher, Dresdner Str. 6d, und Monika Moosleitner, Molkereistr. 9, 85368 Moosburg

"Bildung im 20. Jahrhundert erfordert vor allem und zunächst die instinktiv sichere Abwehr überzähliger Information."
Mit dieser Aussage hatte der deutsche Journalist Hans Kasper unserer Erfahrung nach eindeutig recht, denn genau diese Fähigkeit, zwischen wirklich wichtigen Lerninhalten und detailliertem Fachwissen unterscheiden zu können, erscheint uns vor allem in den zwei letzten Jahren auf dem Weg zum Abitur grundlegend und unentbehrlich.

Deshalb ist unser zentrales Anliegen im Entwurf unseres Kollegstufenmodells das Erreichen einer umfassenden Allgemeinbildung.
Im Unterricht sollte demzufolge mehr grundlegende Information vermittelt werden, so daß der Kollegiat nicht mehr, wie es momentan größtenteils der Fall ist, von einer gewaltigen Stoffülle erschlagen zu werden droht; eine Stofffülle, die die Lehrer aufgrund "vollgepfropfter", vom Kultusministerium verordneter Lehrpläne zu bewältigen haben. Es wäre also stattdessen wichtig, Tendenzen, Grundideen und Thesen herauszuarbeiten; so könnten fundamentale Lerninhalte zusammenfassend dargestellt werden, und der Schüler würde im "Dschungel der Informationen" den Überblick behalten und Zusammenhänge besser begreifen lernen. Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit, eine größere Stoffbreite abzuhandeln, da auf Einzelheiten gegenwärtig praktizierten Intensität nicht mehr eingegangen wird. Als Beispiel kann uns hier das Fach Geschichte dienen, wo man entscheidende Entwicklungen in ihrem gesamthistorischen Zusammenhang vermitteln sollte, anstatt auf das kleinste Detail eines dann doch nicht verwirklichten Verfassungsentwurfes (siehe Paulskirchenverfassung und deren Behandlung im Unterricht) einzugehen. Unser Vorschlag wäre hier, in den beiden letzen Schuljahren die Entwicklung Deutschlands unter Einbeziehung europäischer Aspekte von den Anfängen der Germanen bis zur Wiedervereinigung abzuhandeln, um so den Überblick zu erhalten, warum unser Land so ist, wie es ist.
Diese neue Form des Lehrens und Lernens ist nicht nur im Fach Geschichte wünschenswert, sondern eine Änderung der Lehrpläne in Hinsicht auf eine fundierte Allgemeinbildung ist im Grunde genommen in allen Fächern anzustreben.

Ein Weiterer Aspekt in unserem Modell ist die Umwandlung der Leistungskurse in Unterrichtseinheiten, die wir als "Vertiefungskurse" bezeichnen wollen. Darunter stellen wir uns Kurse vor, die von der Stoffülle her nicht wesentlich mehr Lerninhalte umfassen als ein Gnundkurs, jedoch stundenmäßig stärker gewichtet sind. In diesen zusätzlichen Stunden soll der Stoff durch Praktika (naturwissenschaftliche Fächer), Konversationsstunden (Fremdsprachen), Theatereinstudierungen (Fremdsprachen, Deutsch), Praxis am Computer / Informatik (Mathematik, Physik, Chemie, Wirtschafts- und Rechtslehre) und Diskussionsrunden (alle Fächer, vor allem Deutsch, Religion bzw. Ethik und Fremdsprachen) vertieft werden, wodurch die Schüler auf eine andere Weise geistig gefordert werden. Desweiteren fördert die nicht mehr ganz so strenge Unterrichtsatmosphäre das Interesse der Schüler, und die Anschaulichkeit dieser Zusatzstunden erleichtert das Erfassen der Lerninhalte. So kann zum Beispiel. ein in Englisch oder Französisch gelesenes klassisches Drama szenisch aufbereitet werden. Auf diese Weise bekommt der Schüler einen besseren Bezug zum Stück und dessen Kernaussagen. Der praxisbezogene Unterricht soll ein Drittel ausmachen, wobei wir uns generell eine Erhöhung der Stundenzahl von fünf auf sechs in den Vertiefungskursen vorstellen.

Als weiteren Kernpunkt legen wir Wert auf die Einführung fächerübergreifenden Unterrichts, was besonders in den angesprochenen Ergänzungsstunden verwirklicht werden kann. Dies erscheint uns insbesondere im Hinblick auf die europäische Einigung, mit der die Bedeutung eines Auslandsstudiums steigt, wichtig, da der Schüler bereits in der vorakademischen Stufe mit der Vermittlung von Fachwissen in der Fremdsprache vertraut gemacht wird. Warum also nicht Napoleons Aussprüche im Original, warum nicht Geschichte auf Französisch? Außerdem könnte man naturwissenschaftliche Entdeckungen viel stärker in ihrem historischen Kontext behandeln. Allerdings stellt ein derartiges Unterrichtsprogramm auch höhere Ansprüche an die Lehrer, die diesen nur durch eine veränderte Universitätsausbildung gerecht werden können. Daneben sollte während der Lehrerausbildung die pädagogische Schulung mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Oft müssen wir nämlich feststellen, daß den Lehrern der Draht zu den Schulern fehlt, und durch Distanz und "trockenen" Unterricht nur ein Bruchteil dessen, was im Unterricht gesagt wird, letzlich aufgenommen wird. Das hat zur Folge, daß Lerninhalte häufig selbst erarbeitet werden müssen.
Bezüglich der Kurse fordern wir, daß bereits ab einer relativ geringen Zahl von Interessenten (etwa zwischen sechs und zehn) Kurse eingerichtet werden, um so wirklich den Neigungen der Schüler zu entsprechen. Es sollten also Kurse mit weniger Teilnehmern nicht zugunsten derjenigen Kurse auf der Strecke bleiben, die eine größere Zahl umfassen. Zusätzlich soll eine Maximalkursstärke von 15 Teilnehmern, unabhängig davon, ob Grund- oder Vertiefungskurs, nicht überschritten werden. Im Unterricht selbst sollen die Schüler in neue Arbeitstechniken eingewiesen werden, durch welche die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Selbständigkeit antrainiert werden soll. Dieses Ziel kann durch regelmäßige Projektgruppen erreicht werden, die ein bestimmtes Thema erarbeiten und ihren Mitschülern präsentieren.
Die Leistungserhebung in Form von Klausuren in allen Fächern (eine in den Grundkursen, zwei in den Vertieftängskursen pro Halbjahr) soll beibehalten werden, da so gewährleistet wird, daß der Schüler einen Gesanitüberblick über die behandelten Themenkreise erlangt, was unserer Forderung nach Allgemeinbildung entspricht. Die Leistungsbewertung durch das Punktesystem in der Form, wie sie jetzt gehandhabt wird, soll bei schriftlichen Arbeiten beibehalten werden, bei mündlichen jedoch geändert werden. Hier erscheint uns die Benotung oft ungerecht, da die Lehrer mündliche Leistungen nicht so differenziert, wie es das Punktesystem erfordert, einschätzen können. Deshalb erscheint uns in diesem Fall die Einschränkung auf sechs Notenstufen als sinnvoll. Mündlich sollten nur noch 15 Punkte für sehr gute Leistungen, 12 für gute, 9 für befriedigende, 6 für ausreichende, 3 für mangelhafte und 0 für ungenügende Leistungen vergeben werden.
Unserer Meinung nach sollten in den Fächern Musik, Kunst und Sport Neigungsgruppen eingeführt werden. Sie sollen zwanglos und ohne Noten von den Schülern als Ausgleich zum Pflichtprogranim gewählt werden. können? Dabei sollen jedoch freiwillige Leistungsbewertungen möglich sein, damit Schülern mit außerordentlicher Begabung die Möglichkeit offensteht, ihre Fahigkeiten auch ins Abschlußzeugnis in einem gewissen Rahmen einfließen zu lassen.

An Stelle des Kollegstufenbetreuers stellen wir uns je einen Tutor für K 12 und K 13 vor, der nicht dem Lehrerkollegium angehört und einen ständigen Ansprechpartner für schulische und persönliche Anliegen darstellen soll. Er/sie sollte sich außerdem für Problemstellungen, die die Berufswahl betreffen, engagieren.

Sicherlich erfordern all unsere Vorstellungen die Bereitstellung von weitaus mehr finanziellen Mitteln durch den Staat. Dies erscheint uns insofern mehr denn je gerechtfertigt, als die immer komplizierter werdende Gesellschaft eine verbesserte (Aus)Bildung sowie soziales Verständnis verlangt.

Abschließend möchten wir unsere oben erläuterten Hauptforderungen noch einmal zusammenfassen:

  1. Umänderung der Lehrpläne in allen Fächern im Sinne der Gewährleistung von mehr Allgemeinbildung
  2. Beibehaltung der Grundkurse, Umwandlung der Leistungskurse in Vertiefi.mgskurse
  3. Erhöhung der Stundenzahl in den Vertiefungskursen von 5 auf 6; Verwendung von 2 der 6 Stunden für praxisbezogenen Unterricht
  4. Einführung von fächerubergreifendem Unterricht (besondere Betonung von Fremdsprachen)
  5. Veränderte Lehrerausbildung im Sinne einer Schulung auf facherübergreifenden Unterricht und pädagogische Kompetenz
  6. Kleine Kurse (zwischen 6 und 15 Schülern)
  7. Einführung neuer Arbeitstechniken (Teamwork, Lernen durch Lehren)
  8. Änderung der mündlichen Leistungsbewertung
  9. Bildung von Neigungsgruppen in den Fächern Kunst, Musik, Sport
  10. Tutoren als Ansprechpartner


 
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Vorschlag 3: Neue Lehrpläne!

Eingereicht von der Vereinigung Mittelfränkischer Schülerinnen und Schüler e. V.

I. Ausgangssituation

Grundlage für das vorliegende Modell waren folgende Überlegungen:

Das Herzstück der heutigen Kollegstufe ist das Kursmodell mit seiner Aufteilung in Grund- und Leistungskurse, die von den SchülerInnen zu wählen sind.
Eine Wahlfreiheit ist jedoch durch die doppelte Kernfachbindung, durch Belegungs- und Einbringungsverpfiichtungen sowie durch die - je nach Größe der Schule - beschränkte Anzahl möglicher Leistungskurse und die Vorfahrtsregelung für Kernfächer stark eingeschränkt und somit kaum noch gegeben.
Die Unterschiede zwischen Grund- und Leistungskursen sind inzwischen durch die Reduzierung der LK-Wochenstunden von sechs auf fünf teilweise bis zur Unkenntlichkeit verwischt (z.B. Deutsch-GK: 4h; Deutsch-LK: 5h). Stoffülle und Leitungsdruck [sic!] sowie Zulassungsbeschränkungen an den Hochschulen sorgen für einen Konkurrenzkampf unter den KollegiatInnen und dafür, daß Kurse nicht nach Neigung und Interesse, sondern oft nur nach der zu erwartenden Puntezahl gewählt werden. Eine "Spezialisierung" im eigentlichen Sinn findet daher nicht statt.

Anforderungen an die Kollegstufe und das Gymnasium sind derzeit die Vermittlung von fündiertem Fach- und Faktenwissen sowie die Erziehung zu Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit. Dabei geht Ersteres aber stark zu Lasten des Zweiteren, von darüber hinaus gehenden Qualifikationen wie etwa Team- oder Kritikfähigkeit ganz zu schweigen. Eine Vereinbarung von zu erwerbendem Wissen und wünschenswerter Fähigkeiten ist aber auch nur nach einer sorgfältigen und grundsätzlichen Abwägung und Definition von Notwendigkeiten, besonders im Hinblick auf das Lehrplanwerk, wirklich möglich. Nicht zuletzt deshalb wäre eine völlige Neuentwicklung von Kollegstufen-Lehrplänen Voraussetzung für eine Realisierung unseres Konzeptes, alles Andere wäre für uns aber auch keine Reform, sondern lediglich ein Herumdocktern an Symptomen.

II. Das Konzept

1. Unterricht und Fächergruppen

Die Wahlmöglichkeit wird bis auf zwei Ausnahmen völlig abgeschaft, jede(r) SchülerIn hat alle Fächergruppen zu belegen. Hierbei ist organisatorisch und finanziell irrelevant, ob die Klassenverbände der 11. Jahrgangsstufe beibehalten werden oder nicht, die Entscheidung darüber soll bei der Schule bzw. den Betroffenen liegen. Um einen fächerübergreifenden Unterricht wirklich zu ermöglichen, schlagen wir die Zusammenlegung artverwandter Fächer (z.B. Mathe und Physik) zu neuen Kursen vor:

BereicheKurse  
mathematisch,
naturwissenschaftlich,
technisch (mnt)
Mathe/PhysikBiologie/Chemie 
sprachlich,
literarisch (sl)
DeutschFortgeführte Fremdsprache
(1. Wahlmöglichkeit)
 
gesellschaftswissenschaftlich,
politisch,
religiös (gpr)
Geschichte/SozialkundeErdkunde/Wirt-
schaft/Rechtskunde
Rel/Eth/Päd/Psy/Phil
künstlerisch,
sportlich (ks)
Kunst oder Musik oder Sport
(2. Wahlmöglichkeit)
  

Hinsichtlich der Stundenverteilung soll jedem der aufgeführten Kurse innerhalb der vier Kollegstufenhalbjahre die gleiche Gewichtung zukommen.

2. Projekt und Praktikum

Im "Projekt" können sich die Kollegiatlnnen auf ihre persönlichen Interssengebiete spezialisieren und vertieft wissenschaftlich arbeiten. In 1211 und in 13/11 sind dafür jeweils ein Tag pro Woche vorgesehen. Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, daß es hierfür keine (verbindlichen) Lehrpläne gibt, vielmehr sind die Lehrer aufgerufen, solche Projekte aus ihren persönlichen Interessensgebieten vorzuschlagen und mit den Kollegiatlnnen daran zu arbeiten bzw. diesen bei ihrer Arbeit beratend zur Seite stehen. Diese Beratung findet an dem für das Projekt vorgesehenem Wochentag statt. Ansonsten steht dieser Tag den SchülerInnen völlig für die Arbeit an ihrem Projekt zur Verfügung (ggf natürlich auch außerhalb des Schulgeländes), sie können dabei selbständig oder im Team mit anderen arbeiten. Wer es vorzieht, die Arbeit auf die Nachmittage der restlichen Woche oder aufs Wochenende zu verteilen, hat an diesem Tag eben frei! Zugrunde liegt dem das Prinzip der freien Zeiteinteilung und Eigenverantwortlichkeit, denn das Projekt muß zu einem festgesetzten Termin beendet und die anzufertigende Facharbeit oder Dokumentation fertiggestellt sein.
Das Projekt muß einem der o.g. Kurse zugeordnet sein, die SchülerInnen müssen bei ihren beiden Projekten zwei verschiedene Bereiche abdecken.

Das "Praktikum" ist vergleichbar mit dem der Fachoberschule und braucht hier deshalb nicht näher ausgeführt werden. Anzumerken ist nur, daß es sich hierbei unbedingt um ein außerschulisches Praktikum in einem Betrieb, einer sozialen Einrichtung o.ä. handeln soll und der Schüler oder die Schülerin einen Praktikumsbericht anzufertigen hat, der sich aber nicht auf die Beschreibung der ausgeführten Tätigkeiten beschränken darf, sondern ein auf die Praktikumsstelle bezogenes Thema ausführlich behandeln soll. Das Praktikum findet "an einem Stück" in 12/II statt und umfaßt die Hälfte des Semesters. In der anderen Semesterhälfte findet normaler Unterricht statt.

3. Seminar Am Anfang von 13/I findet ein mehrtägiges (ca. eine Woche) Seminar außerhalb der Schule (z.B. in einer Jugendbildungsstätte) statt, bei dem die SchülerInnen Lern- und Arbeitstechniken für die Vorbereitung zum Abitur und zur Beantwortung von Prüfungsfragen vermittelt bekommen.

4. Abitur

Es soll bei vier Abiturfüchern bleiben, davon 3 schriftliche und ein mündliches bzw. praktisches. Die schriftlichen Fächer müssen die Bereiche mnt, sl und gpr abdecken, das mündliche bzw. praktische kann entweder aus ks sein oder eines aus den ersten drei Bereichen. Die Wahl der Abiturfächer erfolgt am Ende von 12/II.

5. Benotung Jeder Schüler und jede Schülerin erbringt pro Kurs in 12/I, 13/I und 13/II eine Schulaufgabe und zwei mündliche bzw. in Sport, Kunst oder Musik eine praktische und zwei mündliche Leistungen. In 12/11 werden wegen des Praktikums pro Kurs eine Kurzarbeit und eine mündliche Leistung bzw. in Sport, Kunst oder Musik eine praktische und eine mündliche Leistung gefordert. Für jedes Projekt fertigen die SchülerInnen eine Facharbeit bzw. Dokumentation (jeweils ca. 10 Seiten), im Praktikum einen Bericht an. Diese Arbeiten werden als schriftliche Leistung für den Kurs gewertet, dem das jeweilige Praktikum oder Projekt zugeordnet ist.
In die Abiturnote werden pro Kurs drei Halbjahresleistungen eingebracht, die Note der Abiturprüfung wird mit der Durchschnittsnote der drei eingebrachten Halbjahresleistungen 1:1 gewertet.