Positionspapier zur Oberstufenreform


Einleitung:

Unsere Kollegstufe scheint die Ursache allen Übels zu sein. Das meint auf jeden Fall das Kultusministerium, das allein durch die Reformierung der Oberstufe den neuen Anforderungen von Wirtschaft, Universitäten und Gesellschaft gerecht werden möchte. Für uns steht aber fest, das ein Schüler kein Produkt einer kurzzeitigen Lernintensivierung, sondern nur das Ergebnis eines neun Jahre andauernden Prozesses sein wird.

Da das Kultusministerium keine genauen Angaben über die Novellierung der Oberstufe gibt, müssen wir uns bei unserer Stellungnahme auf das nur vage bekannte Reformkonzept stützen. Obwohl das angestrebte Ziel eigentlich nur durch inhaltliche Änderungen erreicht werden kann, bezieht sich das Konzept des Kultusministeriums allerdings sehr stark auf die Struktur der Oberstufe. Eine Idee des Kultusministeriums zum Beispiel sieht vor, die Stoffmenge in LK und GK anzugleichen, und die im LK zusätzlichen vorhandenen Stunden für das Erlernen von Methodenkompetenz zu nutzen.

Um der viel geforderten "vertieften Allgemeinbildung" gerecht zu werden, möchte das KM in Zukunft Mathematik, Deutsch und eine fortgeführte Fremdsprache als verpflichtende Abiturfächer vorschreiben. Außerdem soll es in einem bisher nicht genau definiertem Rahmen ein zusätzliches fünftes Abiturfach geben, das aber vermutlich einer aufgewerteten Facharbeit entsprechen wird.

Position:

Eines der wichtigsten schulischen Bildungsziele ist die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler. Der selbständige Erwerb von Wissen und die Eigeninitiative muss gerade in der Oberstufe unterstützt werden. Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben, nach eigenen Interessen und Begabungsmustern ihre Fächer zu wählen. Nur so ist gewährleistet, dass Schüler wirklich gerne und gut lernen.
Nach Meinung der LSV wird der Allgemeinbildung zumindest strukturell durch die Kernfachbindung bereits genügend Rechnung getragen. Außerdem kann durch eine weitere Prüfung nicht erreicht werden, dass das erlernte Wissen auch behalten wird. Eine derartige Änderung kann sogar das Gegenteil bewirken, da sie mehr das punktuelle Lernen fördert, als tieferes Wissen garantiert. Ein wirklich fundiertes Fachwissen kann nur gesichert werden, wenn genügend Zeit und Möglichkeit zur Anwendung der erworbenen Kenntnisse zur Verfügung steht. Deshalb müssen die Reformen am Gymnasium als solchem, und nicht ausschließlich am Kollegstufensystem ansetzen.

Dazu sind die Wahlmöglichkeiten der Schüler im jetzigen System bereits ziemlich weit eingeschränkt. Durch die verpflichtende Festlegung von drei Abiturfächern käme es in diesen Kursen zu einer inakzeptablen Klassenstärke, die das produktive Lernen und die sinnvolle Vorbereitung auf das Abitur verhindert. Eine Teilung dieser Kurse schafft im Bezug auf die Stundenbudgetierung ein Problem, da eine große Anzahl an Leistungskursen eine gleichzeitige Verringerung des Grundkursangebots zur Folge hätten.

Die Aufwertung der Facharbeit unterstützt die Landesschülervertretung. In einer solchen Arbeit kann das selbständige Arbeiten erprobt und können Fähigkeiten, die auch für die Universität wichtig sind, erlernt werden. Den Schülern muss bei einer solchen Arbeit aber eine angemessen große Freiheit bei Themen- und Fächerwahl gelassen werden.

Gegen die stoffliche Angleichung von Grund- und Leistungskursen wehrt sich die LSV entschieden. Schüler sollen in der Kollegstufe bewusst Akzente setzen und sich tiefer mit für sie interessanten Materien beschäftigen. Um die wirklich aktive Teilnahme der Schülerinnen und Schüler an Unterricht und Schule zu verbessern, muss auch die Möglichkeit geschaffen werden, Interessensgebiete zu vertiefen.
Es ist uns unverständlich, wie diese von allen Seiten geforderte Erweiterung der neuen Unterrichtsmethoden nur dem LK vorbehalten sein kann. Methodenkompetenz kann nur durch Einsatz von entsprechenden Lehr- und Lernmethoden in allen Fächern vermittelt werden. Ableiten lässt sich daraus für uns eine Intensivierung von alternativen Unterrichtsmethoden ab der 5ten Klasse.

Die Landesschülervertretung fordert außerdem, dass die Einschränkungen bei Auswahl der Fächer und der Einbringungen wieder gelockert werden, um wieder ein wirklichen Kurssystem zu entwickeln.