"Ein Wochenende Basis"


Basis 01

Eindrücke


Ein Wochenende basis

Ein Wochenende basis - das sind 2700 Minuten zuhören, lernen, hinterfragen
Ein Wochenende basis - das sind 162 000 Sekunden Auseinandersetzung und Diskussion
...
Ein Wochenende basis - das ist ein Wochenende Demokratie

Wer auf basis '01Augen und Ohren aufgemacht hat, weiß, dass es nicht darum ging, wer mit wem die Nacht verbracht hat, und auch nicht um ein pubertäres "Aufmucken" gegen die Elterngeneration, sondern um ein zutiefst gesellschaftliches Problem: Wie lässt sich Demokratie leben?

Die Demokratie steht in naher Zukunft vor sehr schwierigen Aufgaben: Umweltproblematik, Erneuerung des Sozialsystems, Technisierung, Schere zwischen Entwicklungs- und Industrieländern - um nur einige Schlagworte zu nennen... Diese Aufgaben erfordern unbequeme, gut durchdachte Entscheidungen von der Gesellschaft. Aber ist eine demokratische Gesellschaft überhaupt zu unbequemen Entscheidungen fähig? Oder gilt generell: die Masse ist unvernünftig? Bei der Beobachtung des politischen Tagesgeschehens entsteht der Eindruck, dass sich alles nur um partei- und machtpolitische Interessen handelt, wodurch das Vertrauen in die Demokratie erschüttert wird. Wir aber glauben, dass es keine Alternative zur Demokratie gibt, dass die Demokratie die Staatsform ist, die dem Menschen am besten entspricht, dass sie sich jedoch noch weiterentwickeln muss: nämlich zu einer Demokratie, in der die intensiv Auseinandersetzung in der Bevölkerung politischen Entscheidungen vorausgeht, und die von der aktiven, bewussten Beteiligung der Bürger geprägt wird. Nur wenn die Masse nicht passiv und durch Medien manipuliert ist, sondern sich aus kritisch hinterfragenden Individuen zusammensetzt, ist sie zu Vernunft und Verantwortung fähig. Um dem Einzelnen diese demokratischen Fähigkeiten zu vermitteln, brauchen wir ein durchdachtes Bildungssystem, das von klein auf alle Personen entsprechend fördert und fordert. Dazu muss das bisherige Schulsystem reformiert werden, denn es ist extrem widersprüchlich, dass wir in von autoritären Strukturen dominierten Schulen Kritikfähigkeit und demokratisches Handeln lernen sollen. Damit es aber nicht bei einer oberflächlichen, undurchdachten und aufoktroyierten Reform bleibt, müssen alle Betroffenen mitentscheiden und es muss eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bisherigen stattfinden. Mit dieser Problematik beschäftigte sich basis '01, indem verschiedene Ansätze und Ideen diskutiert und schließlich die dringendsten Forderungen formuliert wurden. Dazu gehört in erster Linie die Anerkennung der Klassensprecher als rechtliche Interessenvertreter ihrer Klasse mit entsprechenden beschlussfassenden Kompetenzen bis hin zur politischen Anerkennung der Landesschülervertretung, wie sie in anderen Bundesländern seit langem existiert.

Wie wenig Interesse auf Seiten des Ministeriums an einem offenen und ehrlichen Austausch besteht, zeigt das Fehlen eines politischen Vertreters auf basis'01. Obwohl wir unsere Kultusministerin Monika Hohlmeier vor einem dreiviertel Jahr eingeladen hatten, kam nicht einmal eine begründete Absage.Müssen wir erst in eine CSU-nahe Organisation wie die SU eintreten, um uns mit Frau Hohlmeier oder Herrn Freller "regelmäßig" zu treffen, obwohl wir die demokratisch legitimierten, da gewählten Vertreter sind? Das ist doch kein Ansatz zu einer innovativen, reformierten und demokratischen Schule!

Demokratie und nicht weniger war der Geist von basis '01 und wird auch der Geist von basis '02, '03, etc. sein. Denn - und wir dürfen uns hier, um dem Vorwurf des Linkspopulismus zu begegnen, sinngemäß unseren Altkanzler Kohl zitieren: ein Fluss lässt sich nicht ewig stauen, irgendwann sucht sich das Wasser seinen Weg über den Damm.

Kohl hat das damals gegenüber Gorbatschow auf die unterdrückten Menschen in der DDR bezogen. Dieser Vergleich ist zwar nicht ganz angemessen, doch wir meinen, dass das Zitat durchaus auf die unterdrückte Demokratie an den Schulen übertragbar ist.

Sabine Heim ∓mp; Anna Weber
Teilnehmerinnen von basis '01