Pressebericht der Main Post vom 14. März 2001


Jugendliche diskutierten mit Vertretern aus Politik und Verbänden

Schüler, aber keine Ministerin

Bei "basis 01", dem zweiten bayerischen SchülerInnen- Symposium trafen sich 500 Schülervertreter aus ganz Bayern.

"Wir haben lang genug geduckt, jetzt wird endlich aufgemuckt!" Die bayerische Landeschülervertretung ist der Meinung, Schüler in Bayern brauchen endlich mehr Mitspracherechte. "Wir wollen endlich zeigen, dass wir Schüler sehr wohl mitreden können, wenn es um unsere Belange geht, und dass wir angehört werden müssen. Vielleicht können wir mit der basis 01 helfen, Vorurteile in den Köpfen der Erwachsenen abzubauen!"

Lizz Zimmermann, die Vorsitzende der bayerischen Landeschülervertretung (LSV), sprüht vor Energie. Nur so lässt es sich erklären, dass sie gemeinsam mit Gesamtkoordinator Oliver Kohmann und einem zehnköpfigen Organisationsteam einen Kongress der Superlative auf die Beine gestellt hat. Die "basis 01", das zweite bayerische SchülerInnen Symposium sucht ihresgleichen: Über 500 Schüler aus ganz Bayern diskutierten mit Vertretern aus Politik und Verbänden über Demokratie in der Schule, und über Möglichkeiten der Schülermitwirkung.

Diskussion
FOTO: MORITZ
Beim Schüler- Kongress stand die Diskussion im Mittelpunkt

Vermisst wird nur eine: Monika Hohlmeier, die bayerische Kultusministerin. Sie hatte es trotz mehrmaliger und rechtzeitiger Einladung nicht geschafft, nach Nürnberg an die Wilhelm- Löhe- Schule zu kommen. "Die offizielle Begründung ist eine Klausurtagung, aber die findet nur Freitag und Samstag statt, Sonntag hätte sie also Zeit gehabt. Wir haben alles versucht, Telefoninterview, Live- Schaltung, alles, aber Monika Hohlmeier war nicht bereit, mit uns zu reden." Lizz ist enttäuscht, seitens des Ministeriums so wenig Unterstützung erhalten zu haben. Aber der Kongress war auch ohne die Kultusministerin ein voller Erfolg: "Schüler mit Wirkung war unser Motto, nachdem wir auf der basis 1998 über die Traumschule gesprochen haben, wollen wir jetzt sehen, wie wir unsere Vorstellungen in die Tat umsetzen können", erklärt Lizz. Und Vorstellungen haben die Schüler: "Wir sind der Meinung, dass zum Beispiel unser Notensystem von eins bis sechs nicht wirklich geeignet ist, etwas über die Leistung eines Schülers auszusagen. Daher würden wir da gerne etwas verändern."

Auch fehlt den Schülervertretern eine gesetzliche Verankerung der Evaluation von Lehrern, warum sollen die Lehrer auf ihre Leistungen keine Note kriegen: "Wir brauchen auf allen Ebenen mehr Mitspracherechte, das fängt bei den Klassensprechern an und hört bei der Landesschülervertretung auf. Denn im Gegensatz zu den anderen Bundesländern arbeiten wir als Verein, wir sind nicht schulgesetzlich verankert, und das muss sich ändern," fordert die LSV- Vorsitzende. Desweiteren hat die LSV auch Vorschläge zur Oberstufenreform und zur Organisation von SMV- Arbeit an den Schulen.

Die auf dem Kongress verabschiedete Petition wird in Kürze beim Kultusministerium eingehen. Während Lizz in der Schule noch Interviews gibt, lehnt sich Gesamtkoordinator Olli draußen mit einem Zigarillo gemütlich zurück: "Ist doch toll, wenn man während des Symposiums kaum mehr Arbeit hat, das zeigt doch, dass man im Vorfeld gut gearbeitet hat." Olli grinst zufrieden. Zufrieden mit seiner Arbeit und vor allem mit den Ergebnissen des Kongresses. Und die kleine Pause hat er sich nach dem Stress der letzten Monate auch verdient.

Karo Keßler